Dienstag, 16 Safar 1441 | 15/10/2019
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H.  16 Rajab 1440 No: 1440/05
M.  Samstag, 23 März 2019

Stellungnahme zu den Terroranschlägen in Neuseeland

Am 15.03.2019 wurden in Christchurch/Neuseeland zwei Moscheen während des Freitagsgebets angegriffen. Der Täter drang in die Gebetshäuser ein und eröffnete mit vollautomatischen Waffen das Feuer auf die Gläubigen. Dabei ermordete er 50 Muslime und verletzte mehr als ein Dutzend schwer. Unter den Opfern befanden sich auch Frauen, Jugendliche und Kinder. Schlimmeres wurde durch den mutigen Einsatz eines Gottesfürchtigen verhindert, der sich dem Täter in den Weg stellte und diesen in die Flucht schlug.

Bezeichnend für den Anschlag in Christchurch ist die Tatsache, dass der Angreifer maximale Transparenz an den Tag legte. Er kündigte sein Vorhaben öffentlich an, zeigte sein Gesicht und übertrug seinen Angriff live in den sozialen Netzwerken. Ebenso versteckte er seine Motive nicht hinter Paraphrasen, sondern verwendete eine deutliche Sprache, nannte die Namen seiner Vorbilder, seiner Feinde, spielte Musik von „Brüdern im Geiste“ und platzierte ethno-nationalistische Symbole. Dieses Vorgehen lässt nur einen Schluss zu: Der Täter hatte die Gewissheit ein breites Zielpublikum zu erreichen, wog sich in der Sicherheit einer moral majority und vollzog seine Tat in einem vigilanten und damit sozio-politischen Kontext. Mit anderen Worten handelte der Angreifer nicht nach einer einfachen Gewaltstrategie schwacher Gruppen. Vielmehr bildete er sowohl in seinen Handlungen als auch in seinen Publikationen die Narration globaler Konflikte ab.

Thematisch lässt sich die Spannweite seiner Gesinnung leicht verorten. Es sind Inhalte wie Migration von Muslimen und der Kulturkampf zweier Weltanschauungen. Damit lässt sich der Angriff von Christchurch auf ein politisches Schwellenereignis im Jahr 2001 zurückführen. So bildet der von der Bush-Regierung ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ den politischen Rahmen für eine völlig neue Sichtweise auf die Muslime und das Zusammenleben in den westlichen Gesellschaften. Der „Krieg gegen den Terror“ bezog sich in Wahrheit nur partiell auf sicherheitspolitische Maßnahmen und Terrorabwehr. Tatsächlich verkündeten die US-Regierung und ihre Verbündeten, dass mit diesem Vorstoß die Demokratie und der Freiheitsgedanke in die islamische Welt transportiert werden soll. So entstand ein Narrativ, in dem die Sicherheit westlicher Gesellschaften nur durch Gleichschaltung von Welt-und Menschenbildern möglich ist. Die gefährliche Vermengung von Sicherheits- und Weltanschauungspolitik war der Auslöser eines gesamtgesellschaftlichen Umdenkens im Umgang mit Muslimen. Eine aggressive Integrations- bzw. Assimilationspolitik zum Nachteil der Muslime war die Folge. In westlichen Gesellschaften begann eine regelrechte Hexenjagd auf alles, was das islamische Leben ausmacht: Politiker aus den unterschiedlichsten Lagern machten den Islam zu ihrem Feindbild und erklärten öffentlich die Überlegenheit der eigenen Kultur. In Deutschland wurde der Leitkultur-Begriff geprägt und vom ehemaligen Innenminister Thomas de Maiziere beschworen. In der Schweiz überließ die Regierung den aufgestachelten Bürgern die Entscheidung über ein Minarett-Verbot und der österreichische Kanzler Sebastian Kurz machte den Kampf gegen den „politischen Islam“ zur Chefsache.

Auch die Medien beteiligten sich an dieser Kampagne. Sie enthumanisierten die Muslime mit Zerrbildern, schürten Ängste und gaben zu verstehen, dass ein Kampf auf allen Ebenen gegen die Islamisierung unausweichlich sei. Sie boten Islamhassern das Auditorium in den Talkrunden, warben für ihre Hetzschriften und verklärten diese zu Experten. Die dramatischen Auswirkungen in der Gesellschaft ließen nicht lange auf sich warten. Schulen verboten ihren Schülern das Gebet, Universitäten schlossen Gebetsräume und verbannten den Nikab aus den Hörsälen, Unternehmen verboten ihren Mitarbeiterinnen das Kopftuch und in den sozialen Netzwerken ist der Islamhass omnipräsent. Es entstand eine Hass- und Hetzkultur, eine Kultur der Demagogie, der Verleumdung, der Denunziation, der Beleidigung und der Übergriffigkeit! Im Fahrwasser des „Krieg gegen den Terror“ entstanden populistische Parteien und rechte Bürgerbewegungen in der gesamten westlichen Welt, die unverhohlen eine Heimat ohne Islam und Muslime fordern.

Die Welt wurde nun Zeuge darüber, wie ein neuer Typus Terrorist entstanden ist. Ein Terrorist, der im Fahrwasser einer Staatendoktrin operiert, seine Legimitation daraus schöpft und seinen low level war führt. Der Mörder von Christchurch betrachtete die im Westen lebenden Muslime und ihre Andersartigkeit als existenzielle Bedrohung, der in letzter Konsequenz nur durch militärische Mittel beizukommen ist. Mit seiner Kriegslogik knüpfte er im Grunde an die Anfänge der Integrations- bzw. Assimilationspolitik an, die im Kontext sicherheitspolitischer Debatten entstanden und demgemäß auf die Vernichtung vermeintlicher Staatsfeinde ausgerichtet ist.

Hizb-ut-Tahrir fordert die westliche Staatengemeinschaft auf, diese unverantwortliche Vermischung zweier Politikfelder umgehend zu beenden. Solange soziopolitische Fragestellungen wie die weltanschaulich-religiöse Vielschichtigkeit der eigenen Gesellschaft vor dem Hintergrund außen- und sicherheitspolitischer Betrachtungen beurteilt und öffentlich diskutiert werden, kann es immer wieder zu unkontrollierbaren Verwerfungen und Gewaltausbrüchen kommen. Es ist an der Zeit einzugestehen, dass der Feldzug gegen den Islam sowohl außen- als auch innenpolitisch gescheitert ist. Anstatt in blindem Fanatismus den inneren Frieden der eigenen Gesellschaft zu gefährden, täte die westliche Welt gut daran, ihren Umgang mit den Muslimen zu überdenken und im eigenen Interesse diesen Feldzug zu beenden!

Den Muslimen in Christchurch und anderswo auf der Welt sei noch einmal gesagt, dass bei dieser Art von Verbrechen das Augenmerk nicht nur auf die Täter, sondern vor allem auf ihre Inspirationsfiguren, auf ihre eigentlichen Anstifter gerichtet werden muss. Und diese sind uns wohlbekannt! Sie sitzen nicht im stillen Kämmerchen und brüten dort in ihrem Wahn die Inszenierung solcher Massaker aus, sondern stehen in Amt und Würden inmitten der Gesellschaft: im politischen Establishment, in den Redaktionen der Hauptmedien und überall dort, wo öffentliche Meinung generiert wird. Als Muslime muss uns klar sein, dass dieser Feldzug gegen den Islam auf allen Ebenen geführt wird: in den westlichen Ländern auf kulturell-ideologischer Ebene durch Einschüchterung, Hetze und Assimilationszwang gegen die hier lebenden Muslime, und in den islamischen Ländern wird dem noch die politische Kontrolle in Form von Vasallenherrschern, die wirtschaftliche Ausplünderung und die direkte militärische Aggression und Besetzung hinzugefügt.

Diesem Feldzug ist nur zu begegnen, indem wir uns auf den Islam als umfassende Lebensordnung, als von Gott offenbarte Wahrheit zurückbesinnen, die allein in der Lage ist, die prekäre Situation der Muslime zu beenden und einen wirklichen Aufstieg herbeizuführen. Wir müssen uns – auch als Muslime, die in den westlichen Ländern leben - vereint und entschlossen für eine grundlegende, politische und gesellschaftliche Veränderung in der islamischen Welt einsetzen, indem der Staat des Islam, das Rechtgeleitete Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums, gegründet wird, das diese Lebensordnung, dieses System der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, in allen Bereichen zur Anwendung bringt. Nur dann wird dieser schreckliche Zustand, in dem wir uns befinden, beendet werden, nur dann werden die Muslime erneut Größe erlangen und auch in westlichen Ländern unter dem Schutz des Staates stehen und nur dann wird der Erhabene mit uns zufrieden sein.

﴿يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اسْتَجِيبُوا لِلَّهِ وَلِلرَّسُولِ إِذَا دَعَاكُمْ لِمَا يُحْيِيكُمْ وَاعْلَمُوا أَنَّ اللَّهَ يَحُولُ بَيْنَ الْمَرْءِ وَقَلْبِهِ وَأَنَّهُ إِلَيْهِ تُحْشَرُونَ

„Ihr, die ihr glaubt! Folgt Allah und dem Gesandten, wenn er euch zu dem aufruft, was euch Leben spendet. Und wisset, dass Allah zwischen dem Menschen und seinem Herzen steht und dass ihr zu Ihm versammelt werdet!“ (8:24)

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