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بسم الله الرحمن الرحيم
Im Namen Allahs, des Erbarmungsvollen, des Barmherzigen
Antwort auf eine Frage
Der Irak und das Schicksal der proiranischen Milizen
Frage:
Die Zeitung ash-Sharq al-Awsat berichtete auf ihrer Internetseite am 04.08.2026: Die irakische Regierung sieht sich einer äußerst heiklen Gleichung gegenüber und befindet sich in einem Zustand politischer und sicherheitspolitischer Lähmung zwischen den Forderungen Washingtons nach der Entwaffnung der Milizen einerseits und dem tief verwurzelten iranischen Einfluss innerhalb der politischen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Institutionen des Irak andererseits. […] Das Bündnis der Volksmobilisierungskräfte (al-Ḥašd aš-Šaʿbī) gab am 29.07.2026 bekannt, dass infolge von Angriffen amerikanischer und saudischer Kampfflugzeuge auf offizielle Stellungen der Volksmobilisierungskräfte in mehreren irakischen Provinzen mindestens 20 ihrer Angehörigen getötet und weitere 32 verletzt wurden. (ash-Sharq al-Awsat, 04.08.2026) Ferner wurde berichtet: Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien haben einen gemeinsamen Angriff auf Stellungen jener Milizen durchgeführt, die sie als vom Iran unterstützte Gruppierungen im Irak bezeichneten. (al-Hurra, 31.07.2026) Diese Angriffe erfolgten unmittelbar nach der Rückkehr des irakischen Ministerpräsidenten Ali Falih al-Zaidi von einem offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten. Was steckt hinter diesen Entwicklungen gerade zu diesem Zeitpunkt? Und hat sich der Griff der Vereinigten Staaten nach dem Irak inzwischen noch weiter gefestigt, als dies bislang bereits der Fall war?
Antwort:
Damit man auf diese Fragestellungen eine klare Sicht erhält, wollen wir folgende Aspekte darlegen:
1. Mit der Besetzung von Saddam Husseins Irak versetzten die USA dem irakischen Baath-Regime und den hinter ihm stehenden Kräften, nämlich dem britischen Einfluss in der gesamten Region, einen verheerenden Schlag. Gleichwohl atmete der britische Einfluss weiterhin gewissermaßen durch die „saudische Lunge“. So kritisierte der ehemalige saudische Außenminister Saud al-Faisal die amerikanische Irakpolitik offen und erklärte, die von den Vereinigten Staaten besetzten Gebiete im Irak würden in der Folge dem iranischen Einfluss überlassen. Doch mit dem Tod des britischen Vasallen König Abdullah im Jahr 2015 und der Übernahme der Regierungsmacht in Saudi-Arabien durch die US-Vasallen König Salman und seinen Sohn Mohammed bin Salman versetzten die Vereinigten Staaten dem britischen Einfluss in der Region den endgültigen Vernichtungsschlag. Den Briten verblieben lediglich die Golfstaaten und Jordanien – allesamt kleine Staaten, die keinerlei Möglichkeit haben, dem amerikanischen Einfluss wirksam entgegenzutreten, ja nicht einmal zu Störaktionen in der Lage sind. Auf diese Weise wurden die Vereinigten Staaten zur tatsächlichen Hegemonialmacht in der Region.
2. Im Rahmen ihres unter dem Vorwand des „Kampfes gegen den Terror“ geführten Krieges gegen den Islam war es für die amerikanische Politik erforderlich geworden, die islamische Region konfessionell aufzuteilen. In Übereinstimmung mit dieser Strategie wurde der Iran zu einem konfessionellen Zentrum, das als Gegenpol zum anderen konfessionellen Zentrum, nämlich Saudi-Arabien, fungiert. Zu den Erfordernissen dieser Politik gehörte zugleich eine Ausweitung der iranischen Rolle in der Region. Dazu zählte, dem Iran Zutritt zum Irak zu verschaffen und ihm dort unter dem Schutzschirm der amerikanischen Besatzung den Aufbau eines „Einflusses“ zu ermöglichen. Ebenso sollte der Iran seinen Einfluss über konfessionell ausgerichtete Gruppen im Jemen und Libanon ausweiten; schließlich erstreckte sich der Einfluss konfessionell auch auf Syrien und andere Länder. Über lange Zeit hinweg blieben die Vereinigten Staaten auf diese iranische Rolle dringend angewiesen.
3. Mit dem Ende des amerikanischen Bedarfs an der iranischen Rolle in Syrien war auch die Funktion Irans erschöpft, die ihm die amerikanische Politik zugedacht hatte. Von da an wurde von Teheran der Rückzug verlangt. Tatsächlich begann der Iran sich aus Syrien zurückzuziehen und zog seine Kräfte unverzüglich ab. Auch am Krieg gegen die zionistische Entität beteiligte er sich nicht, obwohl die Führer seiner Partei im Libanon getötet worden waren. Bei seinem Atomprogramm jedoch weigerte sich der Iran, nachzugeben. Und so kam es im Jahr 2025 zum Krieg der zionistischen Entität gegen den Iran. Dieser musste es schließlich bitter bereuen, dass er nicht bereits einschritt, als es das erste Opfer traf, also unmittelbar nach Ausbruch der Ereignisse vom 7. Oktober 2023, noch bevor der Iran selbst zur Zielscheibe wurde. Vielmehr begnügte er sich damals mit der Rolle seiner Partei im Libanon. Denn der Krieg im Jahr 2025 und die darauf folgenden weiteren Eskalationsrunden unter Führung der Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihrem Anhängsel, der zionistischen Entität, dienten dem politischen Ziel, die iranische Rolle in der Region auszuschalten. Daraufhin begannen die proiranischen Milizen im Irak an der Seite Irans zu kämpfen und Raketen sowie Drohnen gegen amerikanische Ziele im Irak und in einigen Golfstaaten einzusetzen. Nun bestanden die Vereinigten Staaten darauf, die iranische Rolle im Irak endgültig zu eliminieren. Dies geschah im Rahmen der neuen Politik der Trump-Administration, den Iran auf den Rang eines abhängigen Staates herabzustufen und – soweit möglich – seinen regionalen Einfluss zurückzudrängen. Folglich werden die gegenwärtigen politischen Entwicklungen im Irak durch die Politik der Trump-Administration angetrieben, den iranischen Einfluss im Irak zu beseitigen.
4. Die Vereinigten Staaten, die den Irak im Jahr 2003 besetzten und dort ein konfessionell geprägtes politisches System errichteten, das dem Iran erheblichen Einfluss im Land verschaffte, wollen diesen Zustand heute beenden. Sie verlangen von den irakischen Regierungen, den Irak wieder als arabischen Staat und nicht mehr als konfessionell geprägten Staat auszurichten. Das bedeutet, die Verbindungen zum Iran abzubrechen und die Beziehungen zu den Golfstaaten sowie den übrigen arabischen Kleinstaaten wieder zu normalisieren. All dies ist Teil der amerikanischen Politik, den iranischen Einfluss im Irak zurückzudrängen oder ganz zu beseitigen. Deshalb haben die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen iranische Gaslieferungen in den Irak verhängt und Bagdad aufgefordert, nach Alternativen außerhalb Irans zu suchen. Da die naheliegendste Alternative für den Irak turkmenisches Erdgas wäre, das über iranisches Territorium transportiert werden müsste, lehnten die Vereinigten Staaten auch diese Option ab. Ebenso widersetzten sie sich dem Import von Strom aus dem Iran: Die Vereinigten Staaten haben die Ausnahmegenehmigung von den Sanktionen beendet, die es dem Irak erlaubt hatte, Strom aus dem benachbarten Iran zu beziehen. Dies steht im Einklang mit der Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, gegenüber Teheran den Kurs des „maximalen Drucks“ zu verfolgen. (al-Jazeera.net, 09.03.2025) Bereits zuvor hatten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen jede irakische Einrichtung verhängt, die Dollartransaktionen mit dem Iran abwickelte. So berichtete Al-Quds al-Arabi am 19.07.2023: Das Wall Street Journal zitierte heute, am Mittwoch, amerikanische Regierungsvertreter mit der Aussage, dass die Vereinigten Staaten 14 irakischen Banken die Abwicklung von Dollartransaktionen untersagt haben. Dem Bericht zufolge wurde das von dem US-Finanzministerium und der Federal Reserve Bank of New York verhängte Verbot im Rahmen einer umfassenden Kampagne erlassen, um den Zufluss der amerikanischen Währung in den Iran zu unterbinden.
5. Gleichzeitig fordern die Vereinigten Staaten von der irakischen Regierung, gegen die proiranischen Gruppierungen vorzugehen und sie von Regierungsämtern fernzuhalten: Nach Angaben informierter Quellen haben die Vereinigten Staaten führenden irakischen Politikern mit Sanktionen gedroht, die sogar den irakischen Staat selbst treffen könnten. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dessen wichtigste finanzielle Lebensader ins Visier zu nehmen, nämlich die Öleinnahmen, die die Federal Reserve Bank of New York verwaltet, sollten vom Iran unterstützte bewaffnete Gruppierungen an der nächsten irakischen Regierung beteiligt werden. Nach Angaben von vier Quellen, die mit Reuters sprachen, stellt diese Warnung eines der bislang deutlichsten Beispiele für die Kampagne des amerikanischen Präsidenten Donald Trump dar, den Einfluss der mit dem Iran verbundenen Gruppierungen im Irak zurückzudrängen. (Sky News Arabia, 23.01.2026) Ein weiterer Hinweis auf die Bereitschaft der irakischen Regierung, den amerikanischen Vorgaben Folge zu leisten, ist ihre Erklärung, im Krieg, der gegen den Iran geführt wird, eine neutrale Haltung einzunehmen. Diese Neutralität bedeutet in der Praxis, dass sie sich nicht auf die Seite Irans stellt. Denn gleichzeitig nutzt die amerikanische Armee irakisches Territorium, um Angriffe sowohl gegen den Iran als auch gegen die proiranischen Milizen im Irak selbst durchzuführen. Zudem haben die USA die zionistische Entität dazu veranlasst, Militärstützpunkte im Irak zu errichten, über die bereits verschiedene Medien berichtet haben: Nach früheren Berichten über die Existenz eines israelischen Militärstützpunkts auf irakischem Staatsgebiet enthüllte ein Bericht der New York Times, dass Israel einen zweiten geheimen Militärstützpunkt in der Wüste im Westen des Irak errichtet hat. (Deutsche Welle, 18.05.2026)
6. Danach begannen die Vereinigten Staaten auch auf die Besetzung des Amtes des Premierministers offen Einfluss zu nehmen. Obwohl Nouri al-Maliki ein loyaler amerikanischer Vasall ist und den Irak während der Besatzungszeit unter strikter amerikanischer Kontrolle regierte, sprach sich die Trump-Administration öffentlich gegen seine erneute Ernennung zum irakischen Premierminister aus. Trump erklärte: Unter al-Malikis früherer Amtszeit ist das Land in Armut und völliges Chaos abgeglitten. Das darf sich aufgrund seiner Politik und seiner verrückten Ideologien nicht wiederholen. Sollte er gewählt werden, werden die Vereinigten Staaten dem Irak keinerlei Hilfe leisten. (Sky News Arabia, 29.01.2026) Dabei war al-Maliki von der größten politischen Fraktion im irakischen Parlament für das Amt des Premierministers nominiert worden. (Al Arabiya, 14.02.2026) Doch trotz seiner öffentlichen Proteste und der Demonstrationen im Irak konnte sich al-Maliki gegenüber dem entschlossenen Widerstand Trumps nicht durchsetzen. France 24 berichtete hierzu: Als Reaktion auf die Drohungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump verurteilte der ehemalige irakische Ministerpräsident Nouri al-Maliki am Mittwoch die „offenkundige amerikanische Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Irak“ und bezeichnete sie als „Verletzung der Souveränität“ seines Landes. Aus Protest gegen Trumps Äußerungen demonstrierten Hunderte Menschen in Bagdad nahe der Grünen Zone, in der sich die amerikanische Botschaft befindet. (France 24, 28.01.2026) Somit haben Trumps Äußerungen unmissverständlich offengelegt, wie die USA mit den ihnen ergebenen Staaten und Vasallen umgehen. Al-Maliki wurde tatsächlich ausgeschlossen, und am 27.04.2026 wurde mit Ali al-Zaidi eine Persönlichkeit mit der Regierungsbildung beauftragt, die die Vereinigten Staaten akzeptierten. Dieser Vorgang zeigt, dass der iranische Einfluss im Irak äußerst fragil ist und streng genommen nicht einmal den Rang eines wirklichen Einflusses erreicht. Vielmehr stellt sich die Realität so dar, dass die Vereinigten Staaten dem Iran Handlungsspielraum im Irak einräumten und ihm die notwendigen Erleichterungen verschafften, damit er ihre Politik umsetzen konnte.
7. Als die Vereinigten Staaten beschlossen, dieser Rolle ein Ende zu setzen, begannen sie von der irakischen Regierung zu verlangen, die proiranischen Gruppierungen zu entwaffnen, und hierfür konkrete Fristen zu setzen – ganz so, wie sie auch den Libanon dazu drängen, gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah vorzugehen. Tatsächlich erklärten sich zwei irakische Gruppierungen zur Entwaffnung bereit: Anfang Juni versammelten sich in der Stadt Samarra Kämpfer der „Saraya al-Salam“, der Miliz des irakischen schiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr, um ihre Waffen an die irakische Regierung zu übergeben. Diese Entwaffnung bedeutete zugleich den Austritt der Gruppe aus dem „al-Hashd al-Shaabi“ (den „Volksmobilmachungskräften“), einem mächtigen Bündnis, das überwiegend aus schiitischen Milizen besteht und sowohl innerhalb als auch außerhalb des irakischen Staatsapparats tätig ist. Tausende Kämpfer der „Saraya al-Salam“ waren die Ersten, die dieses Bündnis verließen – sie blieben jedoch nicht die Letzten. Auch die mächtige Miliz „Asaib Ahl al-Haq“ („Bund der Wahrhaftigen“ – Chazali-Netzwerk) kündigte ihren Austritt aus dem Hashd al-Shaabi an. Mehrere weitere vom Iran unterstützte Milizen halten jedoch weiterhin entschlossen an der Wahrung der Interessen Teherans im Irak und in der weiteren Region fest. Die Spaltung des Hashd al-Shaabi stellt jedoch einen empfindlichen Schlag für den Iran dar. (Independent Arabia, 12.07.2026) Zugleich setzte der irakische Staat eine endgültige Frist für die Waffenabgabe: Der irakische Ministerpräsident Ali al-Zaidi erklärte am Dienstag, sein Land werde nach Ende des kommenden Septembers keiner Gruppierung mehr gestatten, außerhalb des staatlichen Rahmens Waffen zu tragen. Bei seinem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus betonte al-Zaidi, dass die Politik seiner Regierung darauf beruhe, das Gewaltmonopol ausschließlich den staatlichen Sicherheitsorganen zu übertragen. (Sky News Arabia, 14.07.2026) Daraus wird deutlich, dass die gegenwärtigen politischen Entwicklungen im Irak eng mit der amerikanischen Politik zusammenhängen, die frühere iranische Rolle im Irak zu beenden und den iranischen Einfluss im Land zu beseitigen. Der Erfolg der Vereinigten Staaten scheint dabei erheblich zu sein. Dies gilt nicht nur für den militärischen und politischen Druck auf den Irak, sondern ebenso für den finanziellen Bereich. So werden die irakischen Öleinnahmen auf ein Konto beim amerikanischen Finanzministerium überwiesen, sodass die irakische Regierung die Gehälter ihrer Staatsbediensteten nicht ohne Zustimmung des US-Finanzministeriums auszahlen kann!
8. Nun bleibt noch die Frage zu erörtern, was es mit der Kampagne zur Aufdeckung von Korruption und korrupten Amtsträgern im Irak auf sich hat. Diese Kampagne kann nur gegen die mit dem Iran verbundenen Kreise im Irak gerichtet sein und soll als Druckmittel gegen sie eingesetzt werden. Zwar erfasst sie auch andere Personen, doch das politische System, das die Vereinigten Staaten im Irak als Modell einer Demokratie für die Region geschaffen haben, ist von Korruption durchzogen, vom Scheitel bis zu den Zehen, und gilt als eines der korruptesten Systeme überhaupt: Nach den jüngsten Angaben der irakischen Regierung wurden bislang 21 Amtsträger festgenommen, denen finanzielle und administrative Korruption vorgeworfen wird. Gegen weitere Verdächtige wird noch gefahndet. Ministerpräsident Ali al-Zaidi bekräftigte während einer Sitzung des Ministerrates, dass die Regierung ihren Kampf gegen die Korruption fortsetzen und veruntreute öffentliche Gelder zurückholen werde. Der Wirtschaftsexperte Abdul Rahman al-Mashhadani bezifferte im Gespräch mit Al Jazeera die wirtschaftlichen Kosten der finanziellen und politischen Korruption im Irak auf mehr als eine Billion US-Dollar. Ein erheblicher Teil der veruntreuten Gelder sei inzwischen in ausländische Volkswirtschaften geflossen. (Al Jazeera, 03.07.2026)
9. Nachdem Ali al-Zaidi vom irakischen Präsidenten mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, umfasste die amerikanische Forderungsliste nach Angaben des Senders Asharq vom 10.05.2026 konkrete Maßnahmen, um den iranischen Einfluss aus der irakischen Regierung zu beseitigen und die Milizen zu entwaffnen. Tatsächlich begann al-Zaidi damit, diese amerikanischen Forderungen umzusetzen: Die umfangreichen Entlassungen und personellen Umbesetzungen, die der irakische Ministerpräsident Ali al-Zaidi in sicherheits- und wirtschaftspolitisch besonders sensiblen Institutionen nach seinem Treffen mit dem amerikanischen Sondergesandten Tom Barrack und kurz vor seinem geplanten Besuch in Washington vorgenommen hat, lösten eine Debatte darüber aus, ob diese „Maßnahmen“ der Wiederherstellung staatlicher Autorität dienen oder vielmehr eine Reaktion auf den Druck darstellen, den Einfluss der dem Iran nahestehenden Gruppierungen zurückzudrängen. (Al Jazeera, 19.06.2026) Anschließend beschleunigten sich die politischen Entwicklungen im Irak: In der irakischen Hauptstadt Bagdad fand eine beispiellose Sicherheitsoperation in der Grünen Zone statt. Dabei nahmen irakische Spezialeinheiten auf Anordnung von Ministerpräsident Ali al-Zaidi 47 Amtsträger fest, darunter zwölf amtierende Parlamentsabgeordnete, denen Korruptionsdelikte vorgeworfen werden. Im Zuge der Kampagne wurde auch der stellvertretende Ölminister Ali Maarij, gegen den amerikanische Sanktionen bestehen, seines Amtes enthoben. (BBC, 30.06.2026)
10. Daraus wird deutlich, dass der politische Einfluss im Irak ausschließlich in amerikanischer Hand liegt. So lehnten die Vereinigten Staaten die Nominierung Nouri al-Malikis durch das sogenannte „Coordination Framework“ (Koordinierungsbündnis) ab, das als iranfreundlich gilt, und zwangen es stattdessen, Ali al-Zaidi zu nominieren. Das „Coordination Framework“ fügte sich dieser Vorgabe. Und nur wenige Tage nach dessen Ernennung wiesen die Vereinigten Staaten al-Zaidi an, gegen die Gruppierungen innerhalb dieses „Coordination Frameworks“ vorzugehen und sie zu entwaffnen – und tatsächlich begann er umgehend mit der Umsetzung dieser Anweisung. Anschließend leitete er eine Kampagne zur Bekämpfung der Korruption ein. Daraus folgt, dass die Antikorruptionskampagne als Damoklesschwert über den proiranischen Gruppierungen im Irak eingerichtet wurde, auch wenn sie andere Amtsträger erfassen kann. Denn im Irak dürfte kaum ein Amtsträger zu finden sein, der nicht in irgendeiner Form in Korruption verwickelt ist. Es scheint daher, als würden die Regierung al-Zaidis und hinter ihr die USA den bewaffneten Milizen, den proiranischen Kreisen und den Amtsträgern unmissverständlich zu verstehen geben, dass sie die Anordnungen des Staates unverzüglich umzusetzen haben. Andernfalls stünden umfangreiche Korruptionsakten bereit, die jederzeit gegen sie eingesetzt werden könnten. Ohne diesen Zusammenhang lässt sich die Antikorruptionskampagne in einem politischen System, das von den USA in all seinen Eckpfeilern korrupt erschaffen wurde, nicht erklären.
11. Manche vertreten die Ansicht, der Irak versuche, zwischen dem amerikanischen und dem iranischen Einfluss zu balancieren. Als Beleg führen sie an, dass Ali al-Zaidi am 13.07.2026 das Weiße Haus besuchte und dort von Präsident Donald Trump ehrenvoll empfangen wurde. Nach seiner Rückkehr aus Washington reiste er am 23.07.2026 nach Teheran. Ferner heißt es: Nach einem Bericht der Nachrichtenplattform Axios hielt Ali al-Zaidi trotz iranischer Bemühungen, seinen offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten zu verhindern, an seiner Reise fest, bevor er im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump zusammentraf. Der Bericht weist zudem darauf hin, dass der irakische Ministerpräsident wenige Tage zuvor an der Trauerfeier für den iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei teilgenommen hatte, bevor er nach Washington reiste – ein Bild, das nach Auffassung des Berichts die Balance widerspiegelt, welche Bagdad in seinen Beziehungen zu Teheran und Washington aufrechtzuerhalten versucht. (Al Arabiya, 16.07.2026) Eine solche Abwägung entspricht jedoch nicht der Realität. Nichts verdeutlicht den amerikanischen Einfluss im Irak stärker als die seit dem Jahr 2003 bestehende amerikanische Militärpräsenz. Immer wieder ist vom Abzug der amerikanischen Streitkräfte die Rede, doch anschließend zeigt sich, dass sie weiterhin im Land stationiert sind und sogar in der Lage sind, irakische Milizen anzugreifen. Während des Krieges gegen den Iran griffen sie diese mit Kampfhubschraubern an, was darauf schließen lässt, dass sich ihre Einsatzbasen in unmittelbarer Nähe befinden. Hinzu kommt, dass die Vereinigten Staaten der zionistischen Entität den Aufbau vorübergehender Militärstützpunkte im Irak erleichterten, um von dort aus Angriffe gegen den Iran durchzuführen. Darüber hinaus überweisen sämtliche Staaten, die irakisches Erdöl importieren, ihre Zahlungen auf ein Sonderkonto beim amerikanischen Finanzministerium. Sodann stellen die USA der irakischen Regierung diese Mittel nur in dem Umfang zur Verfügung, in dem sie sich der amerikanischen Politik fügt. Gegenwärtig verlangen sie von ihr, den iranischen Einfluss rasch aus der Regierung zu verdrängen und Amtsträger mit Verbindungen zum Iran zu entfernen, selbst wenn es sich – wie im Fall Nouri al-Malikis – um loyale amerikanische Vasallen handelt. Ebenso zwangen sie das sogenannte „Coordination Framework“, das als iranfreundlich gilt, Ali al-Zaidi zu nominieren, um ihn nur wenige Tage später dazu anzustiften, zum Schlag gegen eben jene Gruppierungen des Frameworks anzusetzen. Was die Vereinigten Staaten heute von der Regierung al-Zaidis verlangen, ist die rasche Entwaffnung jener Milizen, die mit den Revolutionsgarden verbunden sind und einige Angriffe gegen amerikanische Ziele durchführen. Die irakische Regierung hat diesen Gruppierungen hierfür eine Frist bis zum 30.09.2026 gesetzt. Das bedeutet, dass sie ihre Sicherheitsorgane entsprechend den Weisungen aus Washington gegen irakische Staatsbürger einsetzen wird. Trump selbst brüstet sich offen mit dem amerikanischen Einfluss und der wirtschaftlichen Ausbeutung des Irak. Bei seinem Treffen mit Ali al-Zaidi im Oval Office erklärte er: „Wir werden den Irak verlassen, weil wir nicht glauben, dass wir dort künftig noch eine militärische Präsenz benötigen. Was wir stattdessen haben, ist, dass sich nun sämtliche Ölunternehmen dem Irak zuwenden und dort Partnerschaften eingehen.“ (Independent Arabia, 15.07.2026) Auf diese Weise setzen die USA ihre Vasallen zur Durchsetzung ihrer Interessen ein.
12. Abschließend sei gesagt: Es schmerzt, mit anzusehen, wie der Irak von den Vereinigten Staaten gelenkt wird, obwohl er einst das Zentrum des Kalifats war und dessen Kalif einst dem Kaiser von Byzanz mit den Worten antwortete: „Die Antwort wirst du sehen, nicht hören.“ Daraufhin setzten sich die Armeen der Muslime in Bewegung und erteilten dem Kaiser eine Lektion, die ihn wieder zur Vernunft brachte. Doch heute kontrollieren die USA den Irak nicht nur politisch, vielmehr halten sie sogar die irakischen Staatsgelder unter ihrer Kontrolle, sodass die irakische Regierung die Gehälter ihrer Bediensteten nicht auszahlen kann, bis die USA es erlauben, ihr einen Teil ihres eigenen Vermögens auszuhändigen! Es ist wahrlich eine Schande – ein Verbrechen sondergleichen! Und wahr hat Allah, der Allmächtige und Allgewaltige, gesprochen, als Er über diese Regime sagte:
(سَيُصِيبُ الَّذِينَ أَجْرَمُوا صَغَارٌ عِنْدَ اللَّهِ وَعَذَابٌ شَدِيدٌ بِمَا كَانُوا يَمْكُرُونَ)
Diejenigen, die Übeltaten begehen, wird bei Allah Erniedrigung treffen und eine strenge Strafe für ihr falsches Spiel.(6:124) Dieser Erniedrigung wird die Umma erst dann entkommen, wenn sie ihr rechtgeleitetes Kalifat wiedererrichtet, indem sie Hizb ut-Tahrir – dem Lotsen, der sein Volk nicht belügt – die nuṣra, den Beistand, gewährt. Danach wird sich Allahs Verheißung erfüllen:
(وَعَدَ اللَّهُ الَّذِينَ آمَنُوا مِنْكُمْ وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَيَسْتَخْلِفَنَّهُمْ فِي الْأَرْض)
Verheißen hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewiss zu Nachfolgern auf Erden machen wird. […] (24:55) Erfüllen wird sich dann auch die Frohbotschaft des Gesandten Allahs ﷺ nach dieser Gewaltherrschaft, unter der wir heute leben: So berichtet Ḥuḏaifa: Es sprach der Gesandte Allahs (s):
«.. ثُمَّ تَكُونُ مُلْكاً جَبْرِيَّةً فَتَكُونُ مَا شَاءَ اللَّهُ أَنْ تَكُونَ ثُمَّ يَرْفَعُهَا إِذَا شَاءَ أَنْ يَرْفَعَهَا ثُمَّ تَكُونُ خِلَافَةً عَلَى مِنْهَاجِ النُّبُوَّةِ ثُمَّ سَكَتَ»
„[...] Sodann wird eine Gewaltherrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah sie weilen lässt, dann wird Allah sie aufheben, wenn er sie aufheben will. Sodann folgt ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums.“ Dann schwieg er. Auf diese Weise wird sich der Sieg Allahs erfüllen.
(وَيَوْمَئِذٍ يَفْرَحُ الْمُؤْمِنُونَ * بِنَصْرِ اللَّهِ يَنْصُرُ مَنْ يَشَاءُ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيم)
An jenem Tage werden die Gläubigen sich freuen – über den Sieg Allahs. Er steht bei, wem Er will; und Er ist der Allmächtige, der Barmherzige.(30:4-5)



