- |
بسم الله الرحمن الرحيم
Im Namen Allahs, des Erbarmungsvollen, des Barmherzigen
Antwort auf eine Frage
Die Dimensionen der militärischen Entwicklungen im Jemen
Frage:
Am Freitag kamen in der saudischen Hauptstadt Riad die Generalstabschefs der Streitkräfte Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans im Rahmen des Mekka-Abkommens zur gemeinsamen Verteidigung zusammen, um die sicherheitspolitischen Entwicklungen und die Bedrohungen zu erörtern, denen das Königreich ausgesetzt ist. (Al Jazeera, 26.09.2026)
Dieses Treffen blieb jedoch ohne erkennbare Reaktion, während die Huthis die gesamte oder zumindest den größten Teil der Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle brachten, ohne dass Saudi-Arabien oder auch nur die Vereinigten Staaten eingegriffen hätten. Vielmehr erklärte Trump, die Huthis hätten zugesagt, amerikanische Schiffe im Roten Meer nicht anzugreifen; daher würden die Vereinigten Staaten nicht intervenieren.
Und tatsächlich kam es so: Seit Tagen rücken die Huthis an der Westküste mit Leichtigkeit vor. Am 11.09.2026 wurde bekannt gegeben, dass die Huthi-Bewegung die Kontrolle über Bab al-Mandab vollständig übernommen habe. Innerhalb einer nur wenige Tage dauernden Offensive gelang es der Bewegung, Ḥays, al-Ḫauḫa, al-Muḫā und dessen Hafen einzunehmen und bis nach Bab al-Mandab und zur Insel Mayyun vorzurücken.
Wie konnte dies derart mühelos geschehen? Weshalb griffen Saudi-Arabien und sein trilaterales Bündnis nicht ein? Und weshalb intervenierten die Vereinigten Staaten nicht, obwohl sie erklären, gegen die iranischen Stellvertreter in der Region vorzugehen und die Huthis einen der wichtigsten dieser Stellvertreter darstellen?!
Mehr noch: Die Vereinigten Staaten erklären selbst, unmittelbar mit der Huthi-Bewegung Kontakt aufgenommen zu haben. Am 20.09.2026 bestätigte auch die Bewegung, dass Kontakte mit den Vereinigten Staaten stattgefunden hätten.
Welche Strategie verfolgen die Vereinigten Staaten also gegenüber dieser mit dem Iran verbundenen Bewegung?
Antwort:
Um die Zusammenhänge in ihrer tatsächlichen Dimension zu verdeutlichen, wollen wir folgende Aspekte darlegen:
1. Der internationale Machtkampf im Jemen dauert bereits seit Beginn der 1960er-Jahre an. Dabei stehen sich die alte Kolonialmacht Großbritannien und die neue Kolonialmacht USA gegenüber. Jede dieser Mächte verfügt über ihre eigenen regionalen und lokalen Instrumente. Großbritannien sicherte seinen Einfluss im Jemen durch seine Vasallen, allen voran Ali Abdullah Saleh, der von 1978 bis 2011 an der Macht war, und anschließend durch Abdrabbuh Mansur Hadi. Danach veranlassten die Vereinigten Staaten ihren Vasallen Saudi-Arabien, im Jemen zu intervenieren. So wurde 2015 die Operation „Decisive Storm“ ausgerufen und unter saudischer Führung die sogenannte „Koalition zur Unterstützung der Legitimität“ gebildet. Tatsächlich aber diente diese Intervention der Unterstützung der Huthi-Bewegung. In unserer Veröffentlichung vom 26.03.2015 führten wir dazu aus:
Die Vereinigten Staaten versorgten die Huthis über den Iran mit verschiedensten Waffen und militärischer Ausrüstung, damit sie den Jemen gewaltsam unter ihre Kontrolle bringen konnten. Denn ihnen war bewusst, dass das politische Milieu im Jemen größtenteils aus Gefolgsleuten der Briten bestand. So glaubten die Huthis, über eine Macht zu verfügen, die es ihnen ermöglichen würde, die Vorherrschaft über den Jemen zu erlangen. Sie setzten Präsident Hadi unter Druck, um von ihm durch die von ihm erlassenen Gesetze das zu erhalten, was sie verlangten. Er stimmte zwar zu, verzögerte jedoch anschließend deren Umsetzung. Daraufhin stellten sie ihn unter Hausarrest. Ihm gelang jedoch die Flucht nach Aden. Sie folgten ihm dorthin, doch konnte er ihnen erneut entkommen […].
2. In der Folge schlichen sich die Vereinigten Arabischen Emirate, ein Vasall Großbritanniens, in die von Saudi-Arabien unter dem Vorwand der Rettung des Jemen gebildete Koalition ein. Sie entrissen den Huthis zahlreiche Gebiete im Süden des Jemen und stärkten damit den Einfluss Großbritanniens und seiner lokalen Vasallen. Schließlich rückten sie bis nach al-Ḥudaida vor, dem für die Huthis lebenswichtigen Hafen, und standen kurz davor, ihn unter ihre Kontrolle zu bringen. Anschließend wollten sie in Richtung Sanaa vorrücken. Die Vereinigten Staaten mobilisierten jedoch unter Berufung auf humanitäre Erwägungen die internationale öffentliche Meinung gegen dieses Vorgehen und initiierten die Gespräche in Schweden. Diese führten zu einer Waffenruhe in al-Ḥudaida und zum Abzug der emiratischen Streitkräfte sowie der von Ṭāriq Ṣāliḥ geführten Milizen. Die Kontrolle über die Sicherheit der Stadt verblieb damit in den Händen der Huthis.
In einer von uns am 20.12.2018 veröffentlichten Antwort auf eine Frage führten wir hierzu aus:
Großbritannien wusste, dass es die iranische Unterstützung war, die den Huthis den Rücken stärkte. Nachdem der Flughafen von Sanaa geschlossen und die Häfen im Süden unter Kontrolle der Südallianz gebracht worden waren, stellte der Hafen von al-Ḥudaida nahezu die einzige Lebensader dar, über die der Iran seine Unterstützung an die Huthis gelangen lassen konnte. Daher rückten die Vereinigten Arabischen Emirate gegen al-Ḥudaida vor, um die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Vorstöße und Kämpfe um al-Ḥudaida stießen jedoch auf massiven Widerstand seitens der Vereinigten Staaten, der mit humanitären Argumenten begründet wurde: Der Hafen von al-Ḥudaida versorge Millionen Jemeniten mit Hilfsgütern. Als ob die Vereinigten Staaten Rücksicht auf humanitäre Belange nähmen, nachdem sie und ihre Vasallen diese in Syrien unter den Augen der Vereinten Nationen mit Füßen getreten hatten – durch die erdrückende Belagerung ganzer Städte und den Einsatz von Fassbomben […]. In Wirklichkeit aber wollten die Vereinigten Staaten lediglich Rechtfertigungen dafür schaffen, dass der Hafen von al-Ḥudaida für die iranische Militärhilfe offenblieb. […]
3. Im Jahr 2022 wurde in Saudi-Arabien die Bildung eines jemenitischen Präsidialrats unter dem Vorsitz von Rashad al-Alimi bekannt gegeben, der Präsident Hadi ablöste. Am 07.04.2022 übertrug Hadi diesem Rat seine gesamten Befugnisse. Zuvor, am 02.04.2022, hatten die Konfliktparteien einer zweimonatigen, verlängerbaren Waffenruhe im Jemen zugestimmt, die noch am selben Tag in Kraft trat. Die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten begrüßten die überraschend zustande gekommene Waffenruhe und riefen zu ihrer Verlängerung auf. Obwohl die meisten Mitglieder des Rates aus dem bisherigen britischen Lager stammten, gelang es den Vereinigten Staaten über Saudi-Arabien, den Vorsitzenden des Rates, al-Alimi, auf ihre Seite zu ziehen. Dies, obwohl er zuvor dem britischen Lager zugerechnet wurde und bereits seit der Amtszeit des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh hohe politische Ämter bekleidet hatte. Sein Aufenthalt in Saudi-Arabien und seine starke Abhängigkeit von den saudischen Finanz- und Sicherheitsleistungen sowie von weiteren Unterstützungsmaßnahmen verschafften Saudi-Arabien jedoch erheblichen Einfluss auf ihn, der sich in der jüngeren Vergangenheit weiter verstärkte. Die übrigen Mitglieder des Rates hingegen gehörten mehrheitlich dem von den Vereinigten Arabischen Emiraten und damit von Großbritannien unterstützten Lager an. So führten wir in einer Antwort auf eine Frage vom 20.04.2022 aus:
Es fällt auf, dass sämtliche Mitglieder des Präsidialrats entweder von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt werden oder dem Lager Präsident Hadis selbst angehören. Damit liegt der maßgebliche Einfluss innerhalb des Rates beim britischen Lager.
Somit kamen sowohl die Waffenruhe als auch diese Entscheidung und die Bildung des Präsidialrats im amerikanisch-britischen Einvernehmen zustande. Die Vasallen und die im Orbit dieser Mächte kreisenden Akteure richteten sich nach diesem Einvernehmen. Ein solches Einvernehmen ist jedoch keineswegs von Dauer, sondern besteht lediglich so lange, bis sich die Umstände ändern, die es hervorgebracht haben.
4. Genau dies trat ein. Ende 2025 begann der von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützte Südübergangsrat im Jemen unter Führung von Aidarus al-Zoubaidi, der zugleich Mitglied des Präsidialrats war, seine Streitkräfte in Hadramaut und al-Mahra zu stationieren. Dadurch wurde die Lage zunehmend unübersichtlich.
Am 30.12.2025 gab die von Saudi-Arabien geführte Koalition im Jemen die Durchführung einer begrenzten Militäroperation bekannt. Diese richtete sich gegen Waffen und Kampffahrzeuge, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten im Hafen von al-Mukalla in der Provinz Hadramaut eingetroffen waren. Der Druck und die Drohungen hielten daraufhin an, bis sich die Vereinigten Arabischen Emirate schließlich „fügten“ und den Abzug ihrer Streitkräfte aus dem Jemen bekannt gaben. Saudi-Arabien setzte seine Drohungen und Ultimaten gegenüber den Gefolgsleuten der Emirate im Jemen – dem Südübergangsrat unter Führung von Aidarus al-Zoubaidi – fort und forderte sie auf, Hadramaut und al-Mahra zu verlassen. Daraufhin begannen die Streitkräfte des Südübergangsrats mit ihrem Rückzug. Al-Zoubaidi selbst floh schließlich am 08.01.2026 über Somaliland nach Abu Dhabi.
5. Es deutet vieles darauf hin, dass die jüngsten Ereignisse an der Westküste – also die Einnahme von Ḥays, al-Ḫauḫa, al-Muḫā und dessen Hafen sowie der Insel Mayyun und der übrigen jemenitischen Inseln im südlichen Roten Meer bis hin zur Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthis am 3. und 11. September dieses Jahres – Parallelen zu den Ereignissen von 2018 aufweisen, als die Vereinigten Arabischen Emirate und ihre lokalen Gefolgsleute aus al-Ḥudaida eliminiert wurden. Ebenso ähneln sie den Ereignissen Ende 2025 und Anfang 2026, als die Emirate und ihre Gefolgsleute auch aus Hadramaut und al-Mahra vertrieben wurden.
Mit anderen Worten: Im Zuge der Huthi-Offensive wollten die Vereinigten Staaten den britischen Einfluss im Jemen einen Schlag versetzen, indem sie dessen Vasallen an der Westküste attackieren ließen. Dort operierte die sogenannte „Nationale Widerstandsbewegung“ mit der Republikanischen Garde als ihrem Kern unter Führung von Ṭāriq Ṣāliḥ. Sie war von den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgebaut und auf Geheiß ihres Gebieters Großbritannien beschützt worden. Dies fand schließlich mit dem Fall von al-Muḫā und des Militärlagers Ḫālid an der Küste des Roten Meeres sowie der vollständigen Übernahme der gesamten Küste durch die Huthi-Bewegung sein Ende.
Der Fall von al-Muḫā am 10.09.2026 versetzte dem Anführer dieser Widerstandsbewegung, Ṭāriq Ṣāliḥ, einen schweren Schlag. Er ist ein Vasall der Briten, ein Neffe des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh, der seinerseits ein Vasall Großbritanniens war, und wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. Damit wurde ein weiterer Schritt zur Ausschaltung der britischen Vasallen vollzogen, nachdem bereits deren anderer Vasall, Aidarus al-Zoubaidi, geschlagen worden war und in die Vereinigten Arabischen Emirate fliehen musste. Bei näherer Betrachtung dieses Vorgehens liegt die Annahme nahe, dass es Saudi-Arabien gelungen war, eigene Gefolgsleute in die Republikanische Garde einzuschleusen. Diese zogen sich auf saudische Anweisung aus ihren Stellungen in den von ihnen gehaltenen Gebieten an der Westküste zurück. Dies brachte die britisch orientierten Kräfte innerhalb der Republikanischen Garde unter Führung von Ṭāriq Ṣāliḥ erheblich in Bedrängnis und zwang ihn schließlich, seinen Truppen den Rückzug aus sämtlichen Stellungen in der Stadt zu befehlen. Wie aus im Internet veröffentlichten Audioaufnahmen hervorgeht, beklagte er dabei das, was er als „Verrat aus den eigenen Reihen“ bezeichnete, womit die saudisch orientierten Flügel innerhalb der Garde gemeint waren. Ebenso sprach er davon, von den „Bruderstaaten im Stich gelassen“ worden zu sein, womit er Saudi-Arabien selbst meinte, das weder zu seiner Unterstützung eingriff noch gegen den Vormarsch der Huthis vorging. Nach alledem rückten die Huthis ohne Widerstand in diese Gebiete ein – genauso, wie sie zuvor ohne Widerstand in Sanaa eingerückt waren!
6. Bestätigt wird dies dadurch, dass Saudi-Arabien das trilaterale Bündnis nicht aktivierte und seine Bündnispartner Pakistan und die Türkei nicht zum Eingreifen aufforderte. Dies deutet darauf hin, dass Saudi-Arabien mit diesem Vorgehen einverstanden war und keine ernsthaften Maßnahmen gegen die Huthis ergreifen wollte. Denn die Vereinigten Staaten, die hinter der Gründung dieses Bündnisses standen, verlangten ebenfalls nicht dessen Aktivierung und ein Eingreifen gegen die Huthis – obwohl diese sogar Gebiete in Saudi-Arabien angriffen! Die Türkei und Pakistan beschränkten sich auf Verurteilungen und unverbindliche Erklärungen, wonach sie zur Unterstützung bereit seien. Mehr noch: Mohammed bin Salman wandte sich weder an die Türkei noch an Pakistan und richtete keinerlei Hilfsersuchen an sie. Stattdessen wartete er, bis die gesamte oder zumindest der größte Teil der jemenitischen Westküste unter die Kontrolle der Huthis geraten war. Erst danach berief er das im Rahmen des Mekka-Abkommens bestehende Bündnis zu einer Sitzung ein, um über eine Unterstützung Saudi-Arabiens angesichts der Huthi-Angriffe zu beraten:
Am Freitag kamen in der saudischen Hauptstadt Riad die Generalstabschefs der Streitkräfte Saudi-Arabiens, der Türkei und Pakistans im Rahmen des Mekka-Abkommens zur gemeinsamen Verteidigung zusammen, um die sicherheitspolitischen Entwicklungen und die Bedrohungen zu erörtern, denen das Königreich ausgesetzt ist. […] Das saudische Verteidigungsministerium erklärte, bei dem Treffen seien die Stärkung der nachrichtendienstlichen und militärischen Zusammenarbeit sowie die Verzahnung der jeweiligen Fähigkeiten erörtert worden, um die Abschreckung und die kollektive Verteidigung zu stärken. Nach Angaben des Ministeriums befassten sich die Generalstabschefs zudem mit der Sicherheitslage. Sie verurteilten die Angriffe auf Mekka und die zivile Infrastruktur des Königreichs und bekräftigten nachdrücklich ihre Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung. Dies bringe die Entschlossenheit der drei Staaten zum Ausdruck, die Sicherheit, Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Saudi-Arabien zu verteidigen. (Al Jazeera, 26.09.2026) Das Treffen fand also erst statt, nachdem die Huthis ihre Kontrolle über die Westküste des Jemen bereits weitgehend gefestigt hatten!
7. Hinzu kommt, dass die Vereinigten Staaten weder intervenierten noch die Huthis angriffen, obwohl sie wiederholt erklären, gegen die iranischen Stellvertreter vorzugehen. Ebenso wenig forderten sie Saudi-Arabien auf, gegen die Huthis vorzugehen oder das trilaterale Bündnis zu aktivieren. Gegen andere iranische Stellvertreter hingegen gingen sie in Syrien, im Irak und im Libanon mit großer Härte vor. Obwohl die Huthis einen bedeutenden Stellvertreter Irans im Jemen darstellen, ergriffen weder die Vereinigten Staaten noch Saudi-Arabien entscheidende Maßnahmen gegen sie, wie sie es gegenüber anderen iranischen Stellvertretern tun. So unternahmen sie nichts, um die Huthis daran zu hindern, die Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen! Ihre Komplizenschaft in dieser Angelegenheit ist für jeden, der Augen hat, offenkundig. So zitierte Reuters am 13.09.2026 drei Quellen mit den Worten: […] US-Präsident Trump führte ein Telefongespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman“, den er als „einen guten Freund von mir“ bezeichnete. Weiter sagte er: „Ich kann nur sagen, dass alles in Ordnung sein und sich zum Besten entwickeln wird.“ Dies bedeutet, dass Trump hinter dieser Komplizenschaft steht. Denn wenn alles „in Ordnung“ sein und „sich zum Besten entwickeln“ werde, so heißt dies, dass die Dinge so verlaufen, wie die Vereinigten Staaten es wünschen, und das Ergebnis zu ihren Gunsten ausfallen wird. Bestätigt wird dies auch durch den Besuch des amerikanischen Außenministers Marco Rubio in Saudi-Arabien und sein Treffen mit dessen Machthaber Mohammed bin Salman, während die Huthis an der Westküste vorrückten. So erklärte Rubio am 08.09.2026: „Die Vereinigten Staaten unterhalten äußerst enge militärische und verteidigungspolitische Beziehungen zu Saudi-Arabien. Wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau.“ Damit erklärt ein amerikanischer Regierungsvertreter selbst, dass die Vereinigten Staaten die Entwicklungen genau verfolgen, also über alles, was geschieht, im Bilde sind.
8. Als weitere Bestätigung hierfür lehnten die Vereinigten Staaten das Ersuchen der jemenitischen Regierung um ein militärisches Eingreifen ab. Reuters berichtete am 21.09.2026 unter Berufung auf eine jemenitische und eine westliche Quelle: Rashad al-Alimi, der Vorsitzende des jemenitischen Präsidialrats, bat Trump gestern während eines Telefongesprächs um amerikanische Militärhilfe. Den Quellen zufolge gab Trump während des Gesprächs jedoch keinerlei unmittelbare Zusage für eine militärische Unterstützung. Auch Trump selbst erklärte: Die Huthis haben Kontakt mit uns aufgenommen. Sie wollen nicht gegen uns kämpfen und ziehen es deutlich vor, dass wir uns nicht einmischen. Sie lassen die meisten Schiffe passieren. (Al-Araby Al-Jadeed, 13.09.2026) Und Reuters berichtete am 16.09.2026 unter Berufung auf fünf Quellen: Amerikanische Regierungsvertreter hielten am Wochenende in der US-Botschaft in Maskat ein geheimes Treffen mit Vertretern der jemenitischen Huthi-Bewegung ab. An den Gesprächen nahmen hochrangige Huthi-Vertreter teil, darunter der mit amerikanischen Sanktionen belegte Sprecher der Bewegung, Mohammed Abdulsalam, sowie Abdulmalik al-Ajri. Diesen Quellen zufolge „verpflichteten sich die Vertreter der Huthis bei dem Treffen, das 2025 mit Washington geschlossene Waffenstillstandsabkommen einzuhalten und weder amerikanische noch israelische Schiffe anzugreifen. Sie behielten sich jedoch das Recht vor, feindliche Schiffe anzugreifen.“
Am 20.09.2026 bestätigte Mohammed al-Bukhaiti, Mitglied des Politbüros der Huthi-Bewegung, in einem über Zoom aus Sanaa geführten Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press, dass über das Sultanat Oman indirekte Kontakte zwischen seiner Bewegung und den Vereinigten Staaten stattgefunden hätten. Die Bewegung habe der Regierung von Präsident Trump mitgeteilt, dass sie nicht beabsichtige, die Vereinigten Staaten oder deren Schiffe im Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab anzugreifen, und dass ihre gegenwärtige Operation gegen Saudi-Arabien gerichtet sei. Washington habe mit der Bewegung Kontakt aufgenommen, während deren Streitkräfte an der Westküste des Jemen vorrückten und Gebiete erreichten, die an die Meerenge Bab al-Mandab angrenzen.
All dies deutet darauf hin, dass die Geschehnisse von den USA geplant waren und die Huthi-Bewegung diesen Plan in Kenntnis der Zusammenhänge ausführte!
9. Betrachtet man eingehend, was sich im Zuge der Huthi-Angriffe an der Westküste des Jemen ereignet hat und weiterhin ereignet, so zeigt sich, dass die Huthis mittlerweile nahezu die gesamte Küste unter ihre Kontrolle gebracht haben. Dennoch greifen die Vereinigten Staaten nicht ein, um der jemenitischen Regierung in Aden zu Hilfe zu kommen, und auch Saudi-Arabien bleibt untätig, obwohl es selbst von den Angriffen der Huthis betroffen war. Hinzu kommen die Treffen zwischen Vertretern der Huthis und amerikanischen Regierungsvertretern in Maskat, der Hauptstadt Omans, sowie die bereits erwähnten Erklärungen und die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten trotz des Ersuchens der Regierung in Aden nicht eingriffen, um die Angriffe der Huthis an der Westküste zurückzuschlagen. All dies deutet darauf hin, dass die Einnahme des größten Teils der jemenitischen Westküste durch die Huthis mit amerikanischer und saudischer Zustimmung erfolgte. Offenbar sollen damit drei wesentliche Ziele verfolgt werden:
Erstens: Die Huthis sollen an der Herrschaft im Jemen beteiligt werden und dabei die maßgebliche Rolle einnehmen. In der Folge sollen die britischen Vasallen im Jemen schrittweise von der Herrschaft verdrängt werden, zumal die Gefolgsleute Großbritanniens im Jemen noch keineswegs vollständig ausgeschaltet wurden, sondern sich weiterhin sowohl im Präsidialrat als auch in dessen Umfeld befinden.
Zweitens: Dieses Vorgehen soll der iranischen Führung als Anreiz dienen und den Boden dafür bereiten, ihre Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten aufzuweichen, wie sich bereits bei den amerikanisch-iranischen Gesprächen in New York gezeigt hat. Darauf deutet ebenso der iranische Plan hin, den der iranische Präsident und der iranische Außenminister vorlegten und von dem sie sich Trumps Zustimmung erwarteten, sodass der Iran wieder in den amerikanischen Orbit zurückkehren würde. Trump lehnte diesen Plan jedoch in seinem Hochmut ab, da er weiterhin darauf beharrt, dass der Iran lediglich ein abhängiger Vasall der Vereinigten Staaten sein soll.
Drittens: Es handelt sich um eine Art Atempause im Kampf. In etwa einem Monat stehen in den Vereinigten Staaten die Zwischenwahlen an; und mit Blick auf den Wahlprozess ist eine Beruhigung der Lage bis zum Abschluss der Wahlen erforderlich, insbesondere der militärischen Auseinandersetzungen.
Offenbar sind diese drei Ziele – einzeln oder zusammengenommen – der Grund dafür, dass sowohl die Vereinigten Staaten als auch Saudi-Arabien auf die Einnahme der jemenitischen Westküste durch die Huthis nicht wirksam reagierten. Auf diese Weise wurde den Huthis ermöglicht, die Westküste ohne nennenswerten Widerstand und mit Leichtigkeit unter ihre Kontrolle zu bringen.
10. So sehen wir, dass der anglo-amerikanische Hegemonialkampf im Jemen mit unverminderter Härte fortgeführt wird, allerdings mittels regionaler und lokaler Instrumente. Die Menschen im Jemen dienen diesem Konflikt als Brennstoff und leiden seit Jahrzehnten bitter unter seinen Folgen. Diesen Instrumenten wiederum geht es weit weniger um die Menschen als um ihre eigenen persönlichen Interessen. Daher kann es für den Jemen keine Befreiung geben, ohne sich dieser Instrumente zu entledigen, die es den miteinander rivalisierenden Kolonialmächten ermöglichen, im Land zu bleiben und ihren Einfluss auszuweiten. Dies wiederum kann nur durch die Errichtung des rechtgeleiteten Kalifats gemäß dem Plan des Prophetentums geschehen, das Allah verheißen hat:
(وَعَدَ اللَّهُ الَّذِينَ آمَنُوا مِنْكُمْ وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَيَسْتَخْلِفَنَّهُمْ فِي الْأَرْضِ)
Verheißen hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewiss zu Nachfolgern auf Erden machen wird […] (24:55) und dessen Wiederkehr der Gesandte Allahs ﷺ als Frohbotschaft verkündet hat:
«ثُمَّ تَكُونُ خِلَافَةٌ عَلَى مِنْهَاجِ النُّبُوَّةِ»
Sodann folgt ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums. (bei Aḥmad, aṭ-Ṭayālisī und al-Bazzār tradiert) Daher wenden wir uns an die Menschen im Jemen, die der Gesandte Allahs ﷺ mit folgenden Worten lobend hervorhob:
«الْإِيمَانُ يَمَانٍ هَا هُنَا»
Der īmān (Glaubensüberzeugung) ist jemenitisch – dort ist er. (bei al-Buḫārī tradiert)
«الْفِقْهُ يَمَانٍ وَالْحِكْمَةُ يَمَانِيَةٌ»
Das Rechtsverständnis ist jemenitisch, und die Weisheit ist jemenitisch. (bei al-Buḫārī und Muslim tradiert) und rufen sie dazu auf, uns als Hizb ut-Tahrir beizustehen, damit wir alle gemeinsam darauf hinarbeiten, die Verheißung Allahs, des Gewaltigen und Allmächtigen, und die Frohbotschaft Seines Gesandten ﷺ zu verwirklichen, sodass wir sowohl im Diesseits wie auch im Jenseits erfolgreich sind – und dies ist wahrlich der große Gewinn.



