- |
بسم الله الرحمن الرحيم
Im Namen Allahs des Allerbarmers des Barmherzigen
Antwort auf eine Frage
Die Ereignisse in Syrien und der Rückzug der Demokratischen Kräfte Syriens
Frage:
Mit bemerkenswerter Dynamik überschlagen sich die Ereignisse im Nordosten Syriens. Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) verlieren in rasantem Tempo die Kontrolle über die Gebiete, die daraufhin vom syrischen Regime übernommen werden. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Und wie lässt sich dies vor dem Hintergrund verstehen, dass sowohl das Regime als auch die SDF als Vasallen der Vereinigten Staaten gelten? Und obwohl das „grüne Licht“ der Amerikaner für die syrische Regierung, jene Regionen zu übernehmen, mehr als deutlich ist, stellt sich die Frage, welche Pläne die Trump-Administration in Syrien oder in dessen regionalem Umfeld verfolgt.
Antwort:
Zur Verdeutlichung der Antworten auf die oben aufgeworfenen Fragen sollen im Folgenden die nachstehenden Punkte dargelegt werden:
Erstens: Die Phasen der amerikanischen Unterstützung für die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF)
1.Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) sind ein breites Bündnis, das im Oktober 2015 mit dem Ziel gegründet wurde, den sogenannten „Islamischen Staat“ zu bekämpfen. Dieses Bündnis setzt sich aus Kämpfern verschiedener ethnischer Gruppen zusammen – Kurden, Arabern, Assyrern, Armeniern und Turkmenen. Die größte Komponente innerhalb der SDF bilden die Volksverteidigungseinheiten (YPG) und die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), die für die Sicherheit und Verteidigung der Gebiete der selbstverwalteten Kantone in Rojava verantwortlich sind (Wikipedia). Seit dem amerikanischen Eingreifen in Syrien im Jahr 2014, das der russischen Intervention vorausging, gewährten die US-Streitkräfte den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) Luftschutz und versorgten sie in erheblichem Umfang mit finanziellen Mitteln und Waffen. Das Ausmaß dieser Unterstützung wurde im Februar 2018 deutlich, als US-Truppen hunderte Angehörige der russischen „Wagner“-Gruppe töteten, die versucht hatten, den Euphrat in östlicher Richtung zu überschreiten.Zugleich wiesen die Vereinigten Staaten sämtliche türkischen Stellungnahmen und Bemühungen zurück, die auf eine Schwächung der SDF abzielten. In diesem Sinne stellte sich die amerikanische Unterstützung für die SDF seit deren Gründung als umfassend dar: Sie umfasste nicht nur den militärischen Luftschutz, sondern auch politische Rückendeckung sowie finanzielle Hilfe und Waffenlieferungen. Darüber hinaus erleichterte Washington der SDF die Kontrolle über die fruchtbaren Regionen entlang des Euphrats sowie über die Öl- und Gasfelder und Elektrizitätswerke. Die amerikanische Zurückweisung türkischer Einwände gegen eine solche US-Politik im Nordosten Syriens diente letztlich der Vorbereitung amerikanischer Instrumente zur Bekämpfung des islamischen Kalifats, für den Fall, dass es von Damaskus aus seinen Ausgangspunkt nehmen sollte.
2.Und heute ist Trump der Auffassung, dass die Regierung Ahmad al-Sharaas besser geeignet sei, die Interessen der Vereinigten Staaten in der Region zu verwirklichen. Dabei stehen insbesondere zwei Punkte im Vordergrund: 1. die Zurückdrängung einer islamischen Herrschaftsordnung aus Syrien; 2. die vorbehaltlose Unterwerfung unter die Forderungen der zionistischen Entität in Syrien und Palästina, sodass diesem Gebilde keinerlei Widerstand entgegengesetzt wird – selbst angesichts seiner täglichen, fortwährenden Aggressionen! Vor diesem Hintergrund sind die Positionen Trumps und seiner Minister zum Ende der Rolle der SDF und zur Übernahme ihrer Gebiete durch das syrische Regime als Ausdruck der Wahrnehmung amerikanischer Interessen in der Region zu verstehen. Diese Tatsache ist längst kein Geheimnis mehr, sondern wird offen und unmissverständlich artikuliert: sowohl durch die fortlaufenden Erklärungen des US-Sondergesandten für Syrien, Tom Barrack, die er während seiner Reisen abgibt, als auch durch entsprechende Stellungnahmen des türkischen und syrischen Präsidenten:
a) Tom Barrack erklärte, dass der ursprüngliche Zweck der SDF als „primäre Bodenstreitkraft im Kampf gegen den IS“ weitgehend entfallen sei, da Damaskus inzwischen sowohl bereit als auch in der Lage sei, die Sicherheitsverantwortung zu übernehmen – einschließlich der Kontrolle über IS-Gefängnisse und -Lager. (Aljazeera, 21.01.2026)
- In einer weiteren Äußerung auf der Plattform X sagte Barrack: Die Lage hat sich grundlegend verändert, was auch den Zweck der Partnerschaft zwischen den USA und den SDF verändert. Die Rolle der SDF als zentrale Bodenstreitkraft gegen den IS ist beendet, da Damaskus jetzt bereit und gewillt ist, die Sicherheitsverantwortung zu übernehmen, einschließlich der Kontrolle über die Gefängnisse und Lager des IS. (BBC, 20.01.2026)
- In einem weiteren ausführlichen Beitrag auf seiner Seite der Plattform X, dessen Übersetzung von der US-Botschaft in Syrien bereitgestellt wurde, erklärte Barrack: Heute hat sich die Lage grundlegend geändert. Syrien verfügt nun über eine anerkannte Zentralregierung und ist dem internationalen Bündnis zur Bekämpfung des IS beigetreten (als 90. Mitglied gegen Ende des Jahres 2025). Über eine Integration der SDF in die syrische Armee betonte er: Diese Integration, gestützt durch die Diplomatie der Vereinigten Staaten, stellt die bislang stärkste Chance dar, den Kurden dauerhafte Rechte und verlässliche Sicherheit innerhalb eines international anerkannten syrischen Nationalstaates zu gewährleisten. (CNN Arabia, 21.01.2026)
b) Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am heutigen Mittwoch, die kurdischen Kräfte im Norden Syriens müssten unverzüglich ihre Waffen niederlegen und ihre Reihen auflösen, um eine Lösung ohne weiteres Blutvergießen zu ermöglichen. Und dies, nachdem Damaskus ihnen eine Frist von vier Tagen gesetzt hatte, um einen Plan zur Eingliederung der Provinz al-Hasaka in den zentralstaatlichen Rahmen vorzulegen. (Aljazeera, 21.01.2026)
c) Die syrische Präsidentschaft gab am Montag in einer Erklärung bekannt, dass Syriens Übergangspräsident Ahmad al‑Sharaa ein Telefongespräch mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump führte. Nach Angaben der von der Syrischen Arabischen Nachrichtenagentur (SANA) veröffentlichten Mitteilung bekräftigten beide Präsidenten in dem Gespräch die Bedeutung der Wahrung der Einheit und Unabhängigkeit des syrischen Staatsgebiets sowie die Unterstützung aller Bemühungen zur Herstellung von Stabilität. Zugleich unterstrichen sie die Notwendigkeit, die Rechte des kurdischen Volkes zu gewährleisten und seinen Schutz sicherzustellen – im Rahmen des syrischen Staates. (CNN Arabia, 19.01.2026)
Zweitens: Aus all dem wird deutlich, dass die USA dem syrischen Präsidenten Ahmad al‑Sharaa grünes Licht zur Auflösung der SDF erteilt haben. Die USA verschweigen heute ihre Absichten nicht mehr, sie bemühen sich nicht einmal um eine diplomatische Sprache. Vielmehr erklärt Washington offen und unmissverständlich, dass die SDF als amerikanisches Instrument im Kampf gegen den sogenannten „Terrorismus“ ausgedient habe. Stattdessen wollen sich die USA nun auf ein größeres Werkzeug stützen: auf die Regierung Ahmad al-Sharaas. Beide – sowohl die SDF als auch die syrische Regierung – fungieren als Werkzeuge amerikanischer Interessen, und die USA wechseln ihre Instrumente aus, wie es ihnen beliebt. All das weist, im Zusammenspiel mit den Entwicklungen vor Ort, auf eine Reihe von Implikationen hin, die im Folgenden ausgeführt werden sollen:
1. Die Frage des Austauschs eines Vasallen durch einen anderen: Während der syrischen Revolution, die die Vereinigten Staaten an den Rand der Erschöpfung brachte und Obama vorzeitig altern ließ, waren die USA ständig auf der Suche nach einem starken Vasallen, der zur Regierungsführung fähig wäre, um Washingtons bisherigen Vasallen Baschar al-Assad zu ersetzen, gegen den sich das syrische Volk erhoben hatte.
Wie wir bereits in einer Antwort auf eine Frage vom 26. Juli 2025 festhielten: Somit wird klar, dass die US-Strategie in Syrien auf einer grundlegenden Prämisse beruht, nämlich einen Vasallen durch einen anderen zu ersetzen.Zu diesem Zweck erteilte man der Türkei grünes Licht, Bashars Regime zu eliminieren und ein neues, ihr gegenüber loyales Regime aufzubauen.Die Türkei und ihre Nachrichtendienste übernahmen daraufhin diese US-Mission und begannen mit dem Aufbau Ahmad al-Scharaas, der zuvor als al-Joulani bekannt war. Bereits Monate vor dem Ende der Biden-Administration gestatteten die Vereinigten Staaten der Türkei, die Übergabe Syriens an den neuen US-Vasallen, Ahmad al-Scharaa, operativ zu führen. Stellvertretend für die USA nahm die Türkei Kontakt zu Iran und Russland auf, um die Streitkräfte beider Staaten in Syrien zu neutralisieren, während Washington von Baschar al-Assad die Übergabe des Landes verlangte. So vollzog sich der Machtwechsel: Der neue Vasall wurde an die Stelle des alten gesetzt, wobei die Türkei fortan die zentrale Verbindungslinie zwischen den Vereinigten Staaten und ihm darstellte.
2. Die USA begannen, von ihrem neuen Vasallen die Begehung immer weiterer „Tabubrüche“ einzufordern, woraufhin dieser – unter türkischem Ansporn – seine Bereitschaft unter Beweis stellte. Er legte die Fahne nieder, die das Bekenntnis zum Tauḥīd trug, und ersetzte sie durch eine säkulare Flagge. Auch erließ er eine Amnestie für die Überreste des Assad-Regimes, während er die Schabab des Kalifats weiterhin inhaftieren ließ, die auf die Verwirklichung der Verheißung des Gesandten Allahs (s) hinarbeiten, die sich nach dem Ende der Gewaltherrschaft, unter der wir heute leben, erfüllen wird:
«.. ثُمَّ تَكُونُ مُلْكاً جَبْرِيَّةً فَتَكُونُ مَا شَاءَ اللهُ أَنْ تَكُونَ، ثُمَّ يَرْفَعُهَا إِذَا شَاءَ أَنْ يَرْفَعَهَا، ثُمَّ تَكُونُ خِلَافَةً عَلَى مِنْهَاجِ النُّبُوَّةِ. ثُمَّ سَكَتَ»
„[…] Sodann wird eine Gewaltherrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah sie weilen lässt, dann wird Allah sie aufheben, wenn er sie aufheben will. Sodann folgt ein Kalifat gemäß dem Plan des Prophetentums.“ Dann schwieg er.
Darüber hinaus ließ er die Stundenzahlen für den Koranunterricht an den Schulen reduzieren. Und auf Weisung Trumps unterließ er jede Reaktion auf die wiederholten und massiven Angriffe der zionistischen Entität, die selbst die Hauptstadt Damaskus trafen. In einem weiteren Schritt wurde er aufgefordert, Verhandlungen mit dieser Entität aufzunehmen. Es folgten zahlreiche Gesprächsrunden, die sein Außenminister al-Shaibani führte – ohne jegliche Scheu oder Scham, weder vor Allah und Seinem Gesandten (s) noch vor den Gläubigen, insbesondere nicht vor den Menschen in Gaza. Die Forderungen der Regierung Ahmad al-Scharaas an die zionistische Entität erwiesen sich während dieser Verhandlungen als derart belanglos, dass selbst der Verbrecher Baschar al-Assad in den von der Türkei vermittelten Gesprächen des Jahres 2008 weitergehende Positionen vertreten hatte – noch vor Ausbruch der syrischen Revolution. Mit der Bereitschaft Ahmad al-Scharaas, all diese „Tabubrüche“ zu begehen, eröffneten die USA auf politischer Ebene eine direkte Kommunikationslinie zu ihm, ergänzend zu den bereits bestehenden geheimdienstlichen Kanälen und den türkischen Verbindungen. Den ersten Schritt dieser politischen Annäherung markierte das Treffen des US-Vasallen Mohammed bin Salman mit Ahmad al-Scharaa in Riad am 14. Mai 2025. In der Folge wurden diese Kontakte kontinuierlich ausgebaut, begleitet von offenem Lob des amerikanischen Präsidenten, der Ahmad al-Scharaa schließlich am 11. November 2025 im Weißen Haus empfing – wenn auch durch den Hintereingang und ohne offizielles Zeremoniell. So erklärte Trump am Abend desselben Tages, er stehe „im Einklang“ mit dem syrischen Präsidenten Ahmad al-Scharaa und betonte, Washington werde alles in seiner Macht Stehende tun, um Syrien zum Erfolg zu verhelfen. (RT, 11.11.2025)
3. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erörterte im Weißen Haus die Wege zur Lösung der bestehenden Probleme in Syrien, zeitgleich mit dem Besuch des syrischen Präsidenten Ahmad al‑Sharaa in Washington und dessen Treffen mit US-Präsident Trump. Minister Fidan erklärte, dass die Gespräche im Weißen Haus unter Beteiligung des US-Außenministers Rubio, des Sondergesandten des US-Präsidenten Witkoff, des US-Sondergesandten für Syrien, Thomas Barrack, sowie des syrischen Außenministers Asad al-Shaibani stattfanden. Später nahm auch US-Vizepräsident J.D. Vance an dem Treffen teil. In der Erklärung hieß es, die Teilnehmer hätten die möglichen Wege zur Lösung der in Syrien bestehenden Probleme erörtert. (RT, 11.11.2025)
4. In der Zwischenzeit begannen die USA, die Sanktionen gegen Syrien schrittweise aufzuheben, um in jeder Phase sicherzustellen, dass Ahmad al-Scharaa sich weiterhin als treuer Vasall Washingtons erweist. In diesem Zusammenhang trat Syrien der internationalen Anti-IS-Koalition bei: Syrien trat der 2014 unter US-Führung gebildeten internationalen Koalition gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ bei. Die US-Botschaft in Damaskus verkündete am Dienstag, den 11. November 2025, auf der Plattform „X“, dass Syrien offiziell als 90. Partner der internationalen Koalition gegen den IS aufgenommen wurde. (Anadolu, 12.11.2025) Kurz darauf hob Washington die Sanktionen gegen Syrien vollständig auf: Präsident Donald Trump unterzeichnete die Aufhebung des „Caesar Acts“, der seit 2019 Sanktionen gegen Syrien verhängte. (Aljazeera, 19.12.2025)
Drittens:Während der aktuellen Ereignisse zogen sich die Kräfte der SDF aus ihren Gebieten zurück. Nach Angaben ihres Kommandeurs Mazloum Abdi erfolgte dieser Rückzug „vom West- zum Ostufer des Euphrats auf Anraten der ‚Freunde und Vermittler‘“. (Kurdistan 24, 16.01.2026). Es liegt auf der Hand, dass die Vereinigten Staaten die führende Rolle unter diesen „Freunden und Vermittlern“ einnahmen, die konsequent auf die Umsetzung des Abkommens zwischen den SDF und der syrischen Regierung vom 10. März 2025 drängten:
Am Montag, den 10. März 2025, unterzeichneten der syrische Präsident Ahmad al-Sharaa und der Kommandeur der Demokratischen Kräfte Syriens, Mazloum Abdi, ein Abkommen, das die Integration sämtlicher ziviler und militärischer Institutionen der kurdischen Selbstverwaltungsgebiete in den Rahmen des syrischen Staates vorsieht, wie die Präsidentschaft mitteilte. (Al-Arabiya, 10.03.2025.)
Anschließend schloss die syrische Regierung ein zweites Abkommen mit den SDF ab, wonach sich diese sofort zurückziehen und die Provinzen Deir ez-Zor und Raqqa übergeben. Der amerikanische Sondergesandte Tom Barrack würdigte das Abkommen als „entscheidenden Wendepunkt“ und betonte, dass die Vereinigten Staaten ein vereintes Syrien anstreben: „Das von Präsident Ahmad al-Scharaa unterzeichnete Abkommen mit dem Kommandeur der Demokratischen Kräfte Syriens, Mazloum Abdi, stellt einen entscheidenden Wendepunkt dar. So haben ehemalige Gegner Partnerschaft statt Spaltung gewählt.“, schrieb Barrack auf der Plattform ‚X‘. Er lobte die „konstruktiven“ Bemühungen beider Seiten bei der Ausarbeitung eines Abkommens, „das den Weg für erneuten Dialog und Zusammenarbeit hin zu einem vereinten Syrien ebnet“. (Al-Arabiya TV, 18.01.2026)
Viertens: Dabei versuchten die radikaleren Flügel innerhalb der SDF – insbesondere jene, die mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kooperieren – die Umsetzung hinauszuzögern, in der Hoffnung, dass sich in der amerikanischen Politik noch eine Lücke für sie öffnet.Sie bestanden darauf, dass die Integration der SDF in die syrische Armee als geschlossene Einheit erfolgen solle und nicht auf individueller Basis. So berichtete Al-Arabiya am 17.01.2026 von dem Treffen in Erbil, bei dem Kommandeur Mazloum Abdi versucht habe, die Amerikaner davon zu überzeugen, die SDF als drei separate Einheiten in die syrische Armee zu integrieren. Diese erhoffte Lücke in der amerikanischen Haltung öffnete sich jedoch weder beim Treffen in Erbil noch davor. Daraufhin begann die Regierung Ahmad al‑Sharaas mit einem konsequenten Vorgehen, d. h. das Abkommen mit Gewalt durchzusetzen, beginnend mit den Vierteln von Aleppo. Schließlich sahen sich die SDF gezwungen, ein zweites Abkommen mit der Regierung zu unterzeichnen, demzufolge sie „unverzüglich“ die Provinzen Deir ez-Zor und Raqqa zu übergeben hätten. Die USA ihrerseits begrüßten dieses Abkommen. Wie bereits erwähnt, versuchten die SDF bei jedem Abkommen, die Umsetzung hinauszuzögern. Doch das Eingreifen der arabischen Stämme, die über die SDF herfielen, ließen keinen Spielraum übrig. Dies, obwohl der syrische Präsident die Stämme zur Ruhe mahnte: „Wir raten unseren arabischen Stämmen, Ruhe zu bewahren und die Umsetzung der Vereinbarungen des Abkommens zu ermöglichen.“ Die arabischen Milizen schlossen sich indes seit Samstag den syrischen Streitkräften in ihren Gefechten mit den Demokratischen Kräften Syriens an. (CNN Arabia, 19.01.2026)
Fünftens: Auf diese Weise beschleunigten sich die Ereignisse in rasantem Tempo:
1. Die syrische Regierung erklärte, dass die Integration der SDF-Kämpfer auf individueller Basis erfolgen werde und nicht als geschlossene Einheiten oder Divisionen innerhalb von Armee und Innenministerium. Zugleich gab sie Zusicherungen hinsichtlich der „kulturellen“ Rechte der Bevölkerung und der Vergabe von Staatsbürgerschaften. Tatsächlich übernahm die Regierung nach und nach die Kontrolle über die Gebiete in den Provinzen Raqqa und Deir ez-Zor und rückte in die Provinz Al-Hasaka vor, um dort ihre Autorität auszubauen. Für die SDF blieb nur in Al-Hasaka ein begrenzter Verhandlungsspielraum: Am Montagabend kündigte das syrische Verteidigungsministerium einen Waffenstillstand zwischen den syrischen Streitkräften und der SDF an, der ab 20:00 Uhr für die Dauer von vier Tagen gelten soll. Dies erfolgte nach der Mitteilung der syrischen Präsidentschaft über eine gemeinsame Verständigung zwischen Regierung und SDF zu Fragen, die die Zukunft der Provinz Al-Hasaka betreffen. (Aljazeera Net, 20.01.2026) Dieses Abkommen gewährte den SDF nur geringe Zugeständnisse als Besänftigung: Laut der syrischen Nachrichtenagentur SANA erklärte die Präsidentschaft am Dienstag, dass Kommandeur Mazloum Abdi von den Demokratischen Kräften Syriens einen Kandidaten der SDF für das Amt des stellvertretenden Verteidigungsministers und eines Kandidaten für das Gouverneursamt von Al-Hasaka ebenso wie Namen für die Vertretung im Parlament sowie eine Liste von Personen für die Anstellung innerhalb staatlicher syrischer Institutionen. (CNN Arabia, 20.01.2026) Die Präsidentschaft erklärte, dass im Falle einer Einigung die syrischen Streitkräfte nicht in die Zentren der Städte Al-Hasaka und Qamischli eindringen werden, sondern an deren Rändern bleiben, wobei später der Zeitplan und die Einzelheiten der friedlichen Integration für die Provinz Al-Hasaka, einschließlich der Stadt Qamischli, besprochen werden sollen. (BBC, 20.01.2026). Beide Seiten einigten sich zudem darauf, dass die syrischen Regierungstruppen nicht in die kurdischen Dörfer einrücken; deren Sicherheit solle stattdessen von lokalen Sicherheitskräften aus der Region gewährleistet werden (CNN Arabia, 20.01.2026).
2. Nachdem die Vereinigten Staaten beschlossen hatten, IS-Häftlinge aus den von den SFD kontrollierten Gefängnissen in den Irak zu verlegen, baten sie Washington um eine Fristverlängerung, um den Transfer vollständig abzuschließen – was gewährt wurde. Das syrische Verteidigungsministerium kündigte die Verlängerung des Waffenstillstands mit den Demokratischen Kräften Syriens um 15 Tage zur Unterstützung der amerikanischen Operation zur Evakuierung von IS-Häftlingen aus den Gefängnissen an. Das Ministerium erklärte auf seinem ‚X‘-Account, dass die Verlängerung ab heute Nacht um 23:00 Uhr Ortszeit beginnt und der Evakuierung von SDF-Gefängnissen mit IS-Häftlingen in den Irak dient. […] (Aljazeera, 24.01.2026) Damit schließt sich das Kapitel SDF ebenso wie das ihres Anführers, des kleinen US-Vasallen Mazloum Abdi, nachdem er die ihm übertragene amerikanische Mission erfüllt hat. Die USA beenden seine Dienste im Austausch für ein „kleines Ruhegehalt“ – sprich die Ernennung einzelner Personen auf Posten hier und dort. Dies könnte jedoch nur vorübergehend sein, denn die Ereignisse in der Region werden von Washington gesteuert. Wenn es amerikanische Interessen erfordern, ordnet Washington den Vasallen in den Regierungen Änderungen an, die diese ohne Zögern und ohne jedes Schamgefühl ausführen.
(أَلَا سَاءَ مَا يَحْكُمُونَ)
Wahrlich, übel ist’s, wie sie urteilen. (16:59)
Sechstens: Es schmerzt, dass Syrien nach all den Opfern, welche die Menschen Syriens im Bestreben nach der Veränderung des Systems und der Errichtung der Herrschaft des Islam an seiner Stelle dargebracht haben, zu einem Erfüllungsgehilfen der USA wird. So vermögen es die Vereinigten Staaten, billige Loyalitäten zu erkaufen, damit diese sich einen wackligen Herrschaftsstuhl sichern – einen Stuhl, dessen Inhaber unermüdlich im Dienste Amerikas steht, einzig um auf ihm sitzenzubleiben, damit er die Kontrolle über das gesamte syrische Staatsgebiet gewährleistet bekommt. So verzichtet er auf die Anwendung des Islam und auf den ǧihād zur Befreiung des besetzten Landes. Ja mehr noch: Er führt Syrien aus der Front des Kampfes gegen den Feind heraus – etwas, das selbst der flüchtige Verbrecher Baschar al-Assad nicht zu wagen vermochte! Dabei vergisst oder verdrängt der Herrscher Syriens, dass, auch wenn er sich in die Arme Amerikas wirft, ihm dies nicht seinen Stuhl retten wird, sobald Washington einen Vasallen findet, der ihnen besser dient als er. In seinen Vorgängern findet er ein Beispiel, ja zahlreiche Beispiele, die dies auf eindringliche Weise belegen. Sollten die Herrscher, ihre Handlanger und ihr Hofstaat – die Vasallen der USA – nicht endlich eine Lehre aus der Art und Weise ziehen, wie die Vereinigten Staaten ihre eigenen Gefolgsleute fallen lassen, wie sie sich mit ihren Diensten begnügen, sie dann ohne Zögern preisgeben, ohne Bedauern und ohne dabei eine einzige Träne zu vergießen, während sich die ganzen Träume der Vasallen in Luft auflösen! Nachdem sie zuvor im Land Unheil gestiftet hatten, im Dienste Washingtons, werden sie schließlich an den Straßenrand geworfen, sobald ein neuer Vasall bereitsteht, der Washington besser bedienen kann als sie! Wahrlich, auf diese Vasallenherrscher trifft das Wort des Erhabenen zu:
(فَأَذَاقَهُمُ اللَّهُ الْخِزْيَ فِي الْحَيَاةِ الدُّنْيَا وَلَعَذَابُ الْآخِرَةِ أَكْبَرُ لَوْ كَانُوا يَعْلَمُونَ)
Da ließ Allah sie die Schande im diesseitigen Leben kosten; doch die Strafe des Jenseits ist wahrlich größer, wenn sie nur wüssten. (39:26)



