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بسم الله الرحمن الرحيم

Im Namen Allahs des Allerbarmers des Barmherzigen

Antwort auf eine Frage

Die angespannten Beziehungen zwischen Algerien und Marokko

Frage:

In letzter Zeit haben sich die Spannungen in den Beziehungen zwischen Algerien und Marokko immer weiter zugespitzt. Algerien warf Marokko vor, in Waldbrände verwickelt zu sein und separatistische Bewegungen zu unterstützen. Es hat daher seine diplomatischen Beziehungen zu Marokko abgebrochen und die Grenzen geschlossen. Darüber hinaus hat Algerien angekündigt, den Vertrag zur Leitung von Erdgas nach Spanien über Marokko nicht zu verlängern. Des Weiteren beschuldigte Algerien Marokko, drei Algerier getötet zu haben. Was sind die Gründe für diese Eskalation, obwohl die Loyalität beider Staaten einer Seite gilt, nämlich „Großbritannien“? Was ist von dieser Eskalation zu erwarten? Können sich die Dinge so weit zuspitzen, dass es zu einem Krieg kommt, oder wird sich die Lage wieder beruhigen? Danke!

Antwort:

Wir wollen die Beziehungen zwischen Marokko und Algerien darlegen, um dadurch zur Antwort auf diese Fragen zu gelangen:

1. Allah segnete die Länder des Maghreb im ersten Jahrhundert der hiǧra mit dem Islam. Die edlen Bewohner dieser Länder nahmen freiwillig den Islam an, trugen dessen Banner und zogen um des Islam willen in den ǧihād. Die Länder des Maghreb wurden zu Provinzen innerhalb des Kalifats. Als die Kolonialmächte merkten, dass das Kalifat schwächer wurde, okkuppierten sie diese Länder. So besetzten die Franzosen Algerien im Jahr 1830 und erklärten es zu einem Teil Frankreichs. Doch das algerische Volk erhob sich und leistete Widerstand gegen die kolonialistischen Besatzer, die sämtliche Arten der Unterdrückung und Repression einsetzten. Millionen von Algerier wurden von ihnen ermordet bei dem Versuch, sie zu frankophonisieren und sie ihrer islamischen Identität zu berauben. Doch das ist ihnen nicht geglückt. Erniedrigt und gedemütigt verließen sie Algerien 1962. Auch erhielten die muğāhidūn Unterstützung von der marokkanischen Bevölkerung. Marokko wiederum wurde unter dem sogenannten französischen Protektoratsvertrag von 1912 bis 1956 von den Franzosen beherrscht. Danach wurde dort eine Monarchie nach westlichem Muster errichtet, die an den Kolonialherrn gebunden war.

2. Nachdem der französische Kolonialist Algerien verlassen hatte, band sich Präsident Ahmad Ben Bella an die USA, die ihn über den Weg des ägyptischen Regimes in der Ära Abdulnassers unterstützten. Dieser unterstützte die Rebellen, um den USA die Etablierung ihres Einflusses in Algerien zu sichern. Und so ersetzte ein Kolonialherr den anderen. 1963 kam es zwischen Algerien und Marokko zu Gefechten, die als „Sandkrieg“ bekannt wurden. Äußerlich schien es sich um Grenzstreitigkeiten zu handeln, doch waren sie Teil der kolonialistischen Auseinandersetzung, da das algerische Regime unter Ben Bella den USA folgte, während Marokko, seitdem Hassan II. 1961 an die Macht gelangte, mit den Briten verbunden war. Auf diese Weise führen die Vasallen im Interesse der kolonialistischen Staaten, denen sie folgen, Auseinandersetzungen untereinander, ohne sich vor Allah, Seinem Gesandten (s) und den Gläubigen zu schämen.

3. Doch die Briten bereiteten über den Weg Marokkos unter Hassan II. einen Putsch vor, brachten ihren Vasallen Houari Boumedienne an die Macht und sorgten 1965 für den Sturz des US-Vasallen Ahmad Ben Bella. Anschließend kam es zur Verbesserung der algerisch-marokkanischen Beziehungen. Nachdem sich Großbritannien durch die Machtübernahme Boumediennes der Gefolgschaft Algeriens – ähnlich wie in Marokko - sicher war, unterzeichneten beide Staaten das Abkommen zur Grenzziehung und zur guten Nachbarschaft. Das erfolgte in zwei Etappen: im Jahr 1969 und 1972. Der Grenzkonflikt zwischen ihnen war damit beendet und sie gelobten - ganz nach dem Willen des Kolonialisten - den unabhängigen, nationalen Staat zu wahren. Doch 1976 brach Marokko aus Protest über die Anerkennung des Frente Polisario, hinter dessen Gründung die USA steckten, die Beziehungen zu Algerien ab, wenngleich das algerische Regime genauso wie das marokkanische den Briten folgte. Die Briten wollten jedoch, dass Algerien den Frente Polisario unter seine Obhut nimmt, um die Bewegung zu beaufsichtigen und sie auf kleiner Fläche in Lagern einzukesseln. Auf diese Weise wollte man die Bewegung daran hindern, einen Staat in der Westsahara zu gründen, was den USA zugutegekommen wäre. So konnten die Briten ihre Vasallen in Marokko schützen und ihren dortigen Einfluss bewahren.

4. 1989 wurde die Union des Arabischen Maghreb zwischen Marokko, Algerien und Tunesien gegründet. In einem der Absätze dieses Abkommens heißt es, dass „die Unabhängigkeit jedes Mitgliedsstaates der Maghreb-Union zu wahren“ sei. Um den Weg zu diesem Abkommen zu ebnen und einzuleiten, verkündete man 1988 die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Regimen. Dabei stimmte Marokko zu, dass Algerien weiterhin als Schutzmacht des Frente Polisario fungiert, damit das gewünschte Ziel erreicht wird, nämlich die USA daran zu hindern, einen Staat in der marokkanischen Westsahara zu errichten, und um zu verhindern, dass das Regime in Marokko gestürzt wird. Doch Großbritannien gelang es nicht, sein Projekt von der Union der Maghreb-Staaten durchzusetzen, ebenso wenig wie es andere Projekte realisieren konnte. Dies aufgrund des wachsenden amerikanischen Einflusses in der Region, der internationalen Überlegenheit und Hegemonie der USA und ihrer Fähigkeit, die britischen Projekte zu torpedieren.

5. Ende 1991 fanden in Algerien Wahlen statt. Den Algeriern bot sich nun die Chance, ihre Meinung kundzutun, sich zu ihrer islamischen Lebensordnung zu bekennen und ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, vom Islam regiert zu werden. Und tatsächlich ging die Islamische Heilsfront (FIS) mit fast 82% der Stimmen als Sieger hervor. Doch die säkularen Militärkommandanten, vor allem jene, die in Algerien von der französischen Kultur geprägt waren, führten einen Putsch gegen Präsident Chadli Benjedid durch, der Anfang 1992 die Beteiligung der FIS an den Wahlen zugelassen hatte, und zwangen ihn zum Rücktritt. Anschließend begannen die Putschführer, Massaker an der algerischen Bevölkerung zu verüben, die den Putsch ablehnte und ihres Rechts beraubt wurde, von ihrer edlen Glaubensordnung regiert zu werden. Fast hätte sich das algerische Regime in seiner Loyalität in Richtung Frankreich gewandelt, hätten die Putschisten nicht reihenweise Massaker im Land verübt, was Großbritannien ausnutzte, um den Briten-Vasallen Abdulaziz Bouteflika zu reaktivieren, sodass dieser 1999 an die Spitze des Staates gelangte. Im Gegenzug dafür sollten die ehemaligen Putschführer ihre Positionen behalten und gerichtlich nicht belangt werden. Und so geschah es. Algerien kehrte in die Arme Großbritanniens zurück und Bouteflika machte sich an seinen Auftrag, die Beziehungen zu Marokko zu normalisieren. 1999 reiste er nach Marokko, um an der Beisetzung Hassans II. teilzunehmen. Der neue König, Muhammad VI., stieg hinsichtlich der Gefolgschaft zu Großbritannien in die Fußstapfen seines Vaters. 2005 zeichnete sich eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Regimen ab. Im Dienste Großbritanniens näherten sie sich einander an, da die Briten die Loyalität beider Länder innehatten. Diese Annäherung war - gemäß den ihnen beiden zugeschriebenen Rollen - von Wechselhaftigkeit bestimmt. Einer Wechselhaftigkeit, die von Großbritannien in erster Linie gemäß seinem eigenen Interesse – und zwar vor dem Interesse der beiden Länder - gelenkt wurde!

6. Diese Situation dauerte an, bis es in beiden Ländern zu heiklen inneren Umständen kam, die die Wahrheit der Herrscher beider Staaten offenlegte. Das machte es erforderlich, außenpolitische Probleme zwischen ihnen künstlich hervorzurufen, um die Menschen mit diesen Problemen zu beschäftigen und sie von den innenpolitischen Umständen abzulenken. Daher wurde ein künstlicher Zwist vom Zaun gebrochen und eine wachsende Eskalation zwischen ihnen kreiert! Bei Betrachtung dieser Umstände wird Folgendes deutlich:

a) In Algerien hatte sich die Lage seit Ausbruch des ḥirāk, der Volksbewegung von 2019, nicht beruhigt, sondern blieb weiterhin turbulent. Obwohl neue Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfanden und die Verfassung verändert wurde, loderten die innenpolitischen Spannungen in Algerien weiter und stellten eine Quelle permanenten Drucks auf das neue algerische Regime dar. Daher musste es für außenpolitische Spannungen sorgen, besonders im Verhältnis zu Marokko, um die Aufmerksamkeit der Menschen von den inneren Angelegenheiten auf äußere Probleme zu lenken. Aufgrund dessen kam es zu den Vorfällen mit Marokko. Dies von der einen Seite. Von der anderen Seite versucht Algerien durch die Eskalation mit Marokko seine Position in der Region zurückzugewinnen, die es aufgrund der instabilen innenpolitischen Lage zum Teil verloren hatte.

b) Was Marokko betrifft, so machte es seine innenpolitische Lage noch dringender, die Aufmerksamkeit der Marokkaner von ihr weg- und auf äußere Probleme zu richten. So sollte das Augenmerk von der Normalisierung der Beziehungen zum Zionistengebilde, das durch die Besetzung des gesegneten Bodens Palästinas entstanden ist, weggelenkt werden. Das Verhältnis der beiden Länder hatte sich nämlich in Richtung einer innigen Freundschaft und einer Unterwürfigkeit gegenüber dem Zionistengebilde entwickelt. Dies, obwohl die Juden gegenüber Allah, Seinem Gesandten und den Gläubigen unter allen Menschen am feindseligsten sind. So hat das marokkanische Regime die Stärkung seiner Beziehungen zum Zionistengebilde in allen Bereichen übersteigert. Aus dem „israelischen“ Verteidigungsministerium war diesbezüglich zu hören: Der jüdische Verteidigungsminister Gantz und der für nationale Verteidigung zuständige Ministerdelegierte beim Regierungschef, Abdullatif Loudiyi, haben eine Absichtserklärung im Bereich Verteidigung unterzeichnet. (…) Das Abkommen bietet einen soliden Rahmen, der die Verteidigungsbeziehungen zwischen den beiden Ländern formalisiert und eine Grundlage schafft, die jede zukünftige Zusammenarbeit unterstützt. (…) Das Memorandum wird es den Verteigungsinstitutionen beider Länder in Zukunft ermöglichen, stärker in den Bereichen Nachrichtendienst, industrielle Zusammenarbeit, militärische Ausbildung u.s.w. zu kooperieren.“ Auf dem Nachrichtenportal Times of „Israel“ war zu lesen: Es ist die erste Vereinbarung dieser Art zwischen „Israel“ und einem arabischen Land überhaupt.“ (Anadolu, 24.11.2021) Das marokkanische Regime rechtfertigte eine solche Unterwürfigkeit und Erniedrigung damit, dass dies die Gegenleistung für die Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara durch Trumps Amerika gewesen sei: „Ich habe heute eine Erklärung unterzeichnet, die die marokkanische Souveränität über die Westsahara anerkennt. Marokkos ernsthafter, glaubwürdiger und realistischer Autonomievorschlag ist die einzige Grundlage für eine gerechte und dauerhafte Lösung für permanenten Frieden und Wohlstand!“ (Al-Sahifa, 10.12.2020) Dabei handelt es sich aber um ein nichtiges Argument und um eine Rechtfertigung, die schlimmer ist als die Sünde selbst. Daher benötigte auch Marokko externe Probleme, insbesondere in Bezug auf Algerien, um von seiner Schande und seiner Unterwürfigkeit gegenüber dem Zionistengebilde abzulenken!

7. Und so begannen die Ereignisse auf eine diffuse Art aufzuflammen. Wichtig war für beide Regime, den Blick von der innenpolitischen Lage abzulenken und von den Sünden und Verbrechen, die sie als Vasallen des ungläubigen, westlichen Kolonialisten Elle für Elle, ja sogar Handbreit für Handbreit begingen! Durch Darlegung einiger dieser Ereignisse werden folgende Sachverhalte klar:

- Das algerische Außenministerium bestellte den marokkanischen Botschafter aus Protest über die Äußerung des marokkanischen Konsuls in der algerischen Stadt Oran im Mai 2020 ein, der Algerien als feindliches Land bezeichnete, und erklärte den Konsul zur „persona non grata“.

- Am 13.11.2020 vertrieb die marokkanische Armee im Grenzgebiet Guerguerat eine Gruppe von Demonstranten aus den Wüstengebieten, die Passagiere daran hinderten, den Grenzpunkt zu Mauretanien zu passieren. Später forderte Algerien den Abzug der marokkanischen Truppen.

- Am 15.07.2021 forderte Marokkos Entsandter zu den Vereinten Nationen die Unabhängigkeit des kabylischen Volkes in Algerien. Daraufhin rief Algerien seinen Botschafter in Marokko zu Konsultationen zurück. Am 23.07.2021 warf Algerien Marokko vor, das jüdische Spionageprogramm Pegasus gegen algerische Verantwortliche einzusetzen. Marokko wies diese Behauptung zurück.

- Seit Bildung der neuen algerischen Regierung unter Aymen Benabderrahmane und ihrer konstituierenden Sitzung am 25. Juli 2021 legte Algerien eine immer weiter eskalierende außenpolitische Haltung gegenüber Marokko an den Tag. Dies begann, als Algeriens Regierung mit den Waldbränden zu kämpfen hatte. Algerien warf Marokko vor, bei den Bränden, die im Norden des Landes wüteten, seine Finger im Spiel zu haben und zwei Separatistenbewegungen zu unterstützten, die von Algerien der Brandstiftung bezichtigt wurden.

- Der „israelische“ Außenminister besuchte Marokko am 11.08.2021 und warf von dort aus Algerien vor, gegen das Zionistengebilde aufzustacheln und sich Iran anzunähern, was die Beziehungen zwischen Algerien und Marokko weiter belastete.

- Am 24.08.2021 verkündete Algeriens Außenminister Ramtane Lamamra den Abbruch der Beziehungen zu Marokko und erklärte: „Es ist historisch und objektiv erwiesen, dass das Königreich Marokko seit der Unabhängigkeit Marokkos 1962 nie aufgehört hat, feindselige Aktionen gegen unser Land durchzuführen.“ (France Press, 24.08.2021) Am 22.09.2021 sperrte Algerien seinen Luftraum für alle marokkanischen Militär- und Zivilflugzeuge.

- Die algerische Nachrichtenagentur berichtete am 31.10.2021: Der algerische Präsident Abdelmajid Tebboune hat das staatseigene Unternehmen „Sonatrach“ angewiesen, die Handelsbeziehungen mit Marokko abzubrechen und den Vertrag zum Erdgastransport nach Spanien, der in der Nacht zum 31.10.2021 ausläuft, nicht zu verlängern. Er rechtfertigte dies mit den aggressiven Praktiken des Königreichs Marokko gegenüber Algerien.

- Unmittelbar nach der Ankündigung Algeriens teilte das marokkanische Nationale Amt für Elektrizität und Trinkwasser mit, dass die „von den algerischen Behörden angekündigte Entscheidung, das Abkommen über die Maghreb-Europa-Pipeline nicht zu verlängern, derzeit nur geringe Auswirkungen auf die Leistung des nationalen Stromnetzes“ haben werde. (…) Marokko prüfe andere nachhaltige Optionen auf mittel- und langfristige Sicht. (BBC, 31.10.2021)

- Das algerische Büro des Präsidialamtes beschuldigte am 03.11.2021 Marokko, drei algerische Fahrer, die zwischen der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott und der Stadt Ouargla im Süden Algeriens unterwegs waren, durch einen gezielten Angriff auf ihre Lastwagen getötet zu haben. Algerien sagte am heutigen Mittwoch, den 3. November 2021, dass drei seiner Staatsbürger bei einem marokkanischen Angriff an der Grenze zwischen der Westsahara und Mauretanien getötet wurden. Algerien drohte damit, dass die Ermordung dieser Personen „nicht ungesühnt bleiben werde“. (DW, 03.11.2021) France Press meldete, dass sie am vergangenen Montag, den 01.11.2021 getötet wurden, während Marokko dies bestreitet. (France Press, 03.11.2021)

8. Wer diese Ereignisse und deren angebliche Auswirkungen untersucht, wird erkennen, dass es zwischen Staaten zu weit gravierenderen Problemen kommt, die über Verhandlungen und Gespräche gelöst werden, ohne dass man deswegen gleich die Beziehungen abbrechen muss, den Waren- und Flugverkehr einstellt und sogar die Lieferung von Erdgas unterbricht! Es sei denn, das Ziel besteht darin, ein Problem künstlich zu erzeugen, um von internen Verbrechen abzulenken! Schließlich gilt die Loyalität beider Regime einem einzigen Kolonialisten, nämlich Großbritannien. Und es ist Großbritannien, das zum eigenen Nutzen beide Länder dazu antreibt, verschiedene Rollen zu spielen. Denn trotz der Differenzen, die zwischen beiden Staaten existieren, teilen beide, was die Region Nordafrika betrifft, dieselbe Position, sei es in der Libyen- oder in der Tunesienfrage. Diesbezüglich traten keine Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen zutage. So herrscht in der einen Sache ein Zwist zwischen ihnen, während in der anderen Einigkeit herrscht - je nach der Rolle, die die Briten für sie entwerfen und ihnen aufoktroyieren, und zwar in derselben Weise wie sie es auch mit ihren anderen Vasallen tun. So folgen Katar und und die Vereinigten Arabischen Emirate beide in ihrer Loyalität den Briten, doch wird jedem dieser Länder eine andere Rolle zugeteilt. Manchmal verlangen die britischen Interessen, dass sie sich versöhnen, sodass sie in einer Angelegenheit an einem Strang ziehen. Und ein anderes Mal erfordern die Interessen einen Konflikt zwischen den beiden Staaten, sodass sie von Großbritannien jeweils einem anderen Vasallen Amerikas zugeschanzt werden! In gleicher Weise werden auch die entsprechenden Rollen von den Briten an Marokko und Algerien verteilt. Ihre Einigkeit im Dienste Großbritanniens während den derzeit sichtbaren Differenzen zwischen ihnen offenbart sich klar im Falle Libyens und Tunesiens!

9. Dass es zum Ausbruch eines heißen Krieges kommen könnte, ist eher unwahrscheinlich, da die Gründe für diese Spannungen real betrachtet keine sind, die einen Krieg veranlassen würden. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass es zu kurzzeitigen Scharmützeln kommen kann, um das Gesicht zu wahren, da der algerische Präsident den Tod der drei Algerier mit dem Satz kommentierte, dass der Vorfall „nicht ungesühnt bleiben“ werde. Und das, falls die beiden – ganz nach britischer Art, Kompromisse zu schließen - nicht auf Verhandlungen und das Herstellen von Einvernehmen zurückgreifen, sodass wieder Ruhe einkehrt. Doch dazu wird es erst kommen, wenn beide Seiten das Gefühl haben, dass ihre internen Probleme (die Normalisierung der Beziehungen Marokkos zum Zionistengebilde und die Proteste der Menschen gegen das neue algerische Regime) die Menschen in beiden Ländern nicht mehr in Aufruhr versetzen! Mit anderen Worten, wenn der Grund dafür, dass beide Regime eine künstliche Eskalation herbeigeführt haben, verschwunden ist.

Abschließend sei gesagt: Es ist schmerzlich, dass sämtlichen Regimen in der islamischen Welt Rollen zugewiesen werden - je nachdem wie es die Gefolgschaft zu den Kolonialmächten erfordert. Sie sind es, die die Rollen und Aufgaben entsprechend ihrem kolonialistischen Interesse verteilen. Sie arbeiten auch daran, die Spaltung unter den Muslimen zu festigen und ihre Vereinigung in einem Staat, der sie mit dem Islam regiert - so wie es vor der Kolonialzeit der Fall war - zu verhindern. Diese Situation macht es für die Muslime unabdingbar, darauf hinzuarbeiten, dass ihr geschwisterlicher Zusammenhalt wiederhergestellt wird und sie in einem einzigen Staat vereint werden, im Staat des rechtgeleiteten Kalifats, wo sie mit der lauteren Lebensordnung des Islam regiert werden. Sodann wird es keine Kluft und keinen Dissens mehr zwischen ihnen geben, vielmehr werden sie so sein, wie der Allmächtige und Gewaltige sie beschrieben hat:

(إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ إِخْوَةٌ)

Wahrlich, die Gläubigen sind Brüder (49:10)

So berichtet es auch Muslim in geschlossener Kette von an-Nuʿmān ibn Bašīr, der sagte: Es sprach der Gesandte Allahs (s):

«مَثَلُ الْمُؤْمِنِينَ فِي تَوَادِّهِمْ وَتَرَاحُمِهِمْ وَتَعَاطُفِهِمْ مَثَلُ الْجَسَدِ إِذَا اشْتَكَى مِنْهُ عُضْوٌ تَدَاعَى لَهُ سَائِرُ الْجَسَدِ بِالسَّهَرِ وَالْحُمَّى«

Die Gläubigen sind in ihrer Zuneigung, ihrer Barmherzigkeit und ihrem Mitgefühl zueinander wie ein Körper: Wenn ein Organ darin erkrankt, reagiert der übrige Körper darauf durch Wachsein und Fieber.

14. Ğumādā شl-Ulā 1443 n. H.
18. Dezember 2021
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